[rank_math_breadcrumb]

Anmelden

Foto: prcbookprinting.com

Lohnt sich Selfpublishing?

Wozu sich noch mit Verlagen oder Sendern herumärgern? Heute steht dank Internet doch der direkte Weg zum Publikum offen. Für uns Freie schafft das ganz neue und spannende Möglichkeiten. Wir können uns ein zweites Standbein schaffen und mit etwas Geschick durchstarten zur neuen Karriere. Lies hier, wie du mit Blog, Social Media, Newsletter und/oder Podcast durchstartest.

Inhaltsverzeichnis

Ist Bloggen die Lösung?

Ein Blog – Einstiegsmedium in die eigene Zukunft? Ja, das kann funktionieren. Der Einstieg in die Online-Selbständigkeit kann tatsächlich über einen Blog gelingen. Die Hürden sind nicht groß (siehe unten). Und es ist schon ein tolles Gefühl: Als Blogbetreibender bist du nicht mehr nur der Zuliefernde, sondern selbst dein eigenes Medienunternehmen. Du bist also immer noch frei, musst jetzt aber nicht mehr betteln, dass deine Beiträge genommen werden. Das perfekte Match?

Was ist das – ein eigener Blog? Ursprünglich nannte man so mal ein Weblog, also ein digitales Tagebuch. Der Begriff hat sich heute aber zum Ein-Personen-Medienunternehmen verallgemeinert. Das geht auch mit Youtube oder Insta. Aber da bestimmt eben wieder jemand anderes, wer was zu sehen bekommt. Die eigene Community ist allerdings das wertvollste Pfund des Bloggenden. Deshalb ist die eigene Website als Basis so wertvoll. 

Wie geht es technisch? Es gibt Plattformen wie Medium, blogger.com oder squarespace.com, bei denen du kostenlos Blogs aufsetzen und betreiben kannst. Aber wenn du schon selbständig sein willst, dann besser richtig und ohne fremde Werbung, auf die du keinen Einfluss hast. Es kostet heute ja nicht mehr die Welt. Du kannst über einen Provider wie 1blu, Hostinger, Strato oder Bluhost ab 3 Euro im Monat einen Webspace und eine Domain erwerben und damit den eigenen Blog an den Start bringen.  Die meisten Blogs sind auf dem WordPress-CMS aufgesetzt, weil es einfach simpler funktioniert als die Konkurrenz. Der ernstzunehmendste Wettbewerber ist derzeit (Ende 2025) noch Ghost, falls du ein Abo-Modell aufsetzen und einen ergänzenden Newsletter betreiben willst und wenig Wert auf Anpassbarkeit legst.

Worüber blogge ich? Eigentlich alle Fachleute empfehlen, dass du dir einen Themenbereich auswählt, den du so „spitz“ anlegst, dass er für klassische, „große“ Medien zu eng ist, aber so „breit“, dass du für dich noch genug Leser finden kannst. Ideal ist natürlich, wenn es sich um eine attraktive, im besten Fall zahlungskräftige Zielgruppe handelt. Aber viel wichtiger ist: Wähle unbedingt ein Sujet, wofür du brennst. Dann werden dir die Themen nicht ausgehen und deine Community wird dich akzeptieren. Natürlich wirst du als Insider bereits wissen, ob und welche Konkurrenz es gibt und ob du dich traust, es mit ihr aufzunehmen. Du kannst so etwas aber auch über Tools wie Google Trends und Google Alerts recherchieren. Weitere kostenpflichtige Tools mit kostenlosen Basisfunktioneren sind Similarweb, Quicksprout und Researchly und für Keyword-Recherche KeywordTool.io und Answer the Public.

Wie werde ich bekannt? Auch dafür bist du als Alleinunternehmende jetzt zuständig. Bei je nach Zählweise 20.000 bis 50.000 deutschsprachigen journalistischen Blogs ist das eindeutig kein Selbstläufer. Immer wieder genannte Wege sind Teilnahme an thematisch passenden Diskussionsforen, Auftritte auf Kongressen zum Thema, Vernetzung mit anderen Bloggenden zB. über deine Blogroll. Am Ende zählt aber hauptsächlich dein Content: Der muss wirklich einzigartig und auch lesenswert genug sein, damit ihm andere einen Teil ihrer wertvollen Zeit schenken. Damit sie sich dann auch an dich erinnern, versuchst du sie zu binden – über begleitende Social Media, einen Newsletter und am besten natürlich ein Abo.     

Wie verdiene ich damit Geld? Dies ist die Gretchenfrage. Dein Blog als Geldmaschine? Okay, das solltest du vermutlich ein paar Nummern kleiner danken. Erfolgsautoren wie Jochen Mai (karrierebibel), Marina Weisbrand (marinaweisband) und Peer Wandinger (selbstaendig-im-netz), haben es trotzdem geschafft. Hier sind ein paar Ansätze, wie es funktionieren kann:

  • Klassische Werbeanzeigen. Daran denken alle zuerst, so kennt man es schließlich von klassischen Medien. Wenn du diese klassische Variante im Blick hast, brauchst du dazu wahrscheinlich aber auch ganz klassisch eine Anzeigenakquise. Wenn du nicht mit der verpartnert bist oder sonst den Sechser im Lotto gewonnen hast, wird es da aber sehr schwierig. 
  • Google Adsense, Ezoic, Taboola. Diese und noch ein Dutzend mehr Werbeplattformen unterstützen dich, ohne dass du dafür jemanden brauchst, der Klinken putzt. Das Problem ist meist das gleiche: Du brauchst ziemlich hohe Userzahlen, damit sich das überhaupt zu rechnen beginnt. Gehe mal von 1000 Usern am Tag (!) aus. Zudem hast du das Problem, dass du nicht mehr selbst entscheiden kannst, was da auf deiner Seite aufploppt. Manche Bloggenden berichten von politisch oder moralisch kompromittierenden Werbetreibenden. 
  • Ein kostenpflichtiges Abo. Das ist die Königslösung. Dazu musst du allerdings bereits ein tolles Thema und eine ebensolche Reputation bei deinen Lesern haben. Und am besten noch ein cleveres Konzept, wie du Unbekannte zu Interessenten zu Nutzern zu Abonnenten machst. Einfach ist es also nicht, aber als Fernziel unbedingt im Blick zu behalten. 
  • Spenden über Tools wie Steady oder Patreon. Das ist die kleine Schwester des kostenpflichtigen Abos: Du lässt deinen Content nicht hinter einer Paywall verschwinden, forderst deine User aber auf, dich über so ein Tool mit einer (einmaligen oder besser wiederkehrenden) Spende zu unterstützen. Das funktioniert am besten, wenn du ein Herzensthema pflegst, das auch anderen am Herzen liegt. 
  • Affiliate Links. Wenn du einen Blog über Golfausrüstung betreibst oder über teure Uhren schreibst oder über Altersvorsorge oder was man sonst im Internet kaufen kann, dann kann dies eine spannende Monetarisierungsquelle sein. Zahlreiche Onlineshops bieten dafür Affiliate-Programme an: Du baust einen Link ein und bekommst bei einem Abschluss Provision. Dabei solltest du allerdings sehr transparent vorgehen, damit deine Glaubwürdigkeit nicht zu sehr ramponiert wird.   
  • Zoom-Sessions und Coachings. Wenn es in deinem Blog darum geht, etwas zu lernen oder besser zu werden in einem bestimmten Bereich, dann könnte dies eine gute Option sein. Dabei spielt der Blog meist die Rolle der Werbeplattform. Und wer von deinen Berichten angefixt ist, bucht dann vielleicht ein ausführliches (und entsprechend teures) Coaching. 
  • Messen und Kongresse. Der große Bruder des Coachings. Wenn du bereits so bekannt bist, dass du dir zutraust, eine Halle zu füllen, dann miete doch eine. Die Berliner Netzpolitik-Messe re:publica ist z.B. aus einem Blog entstanden. Für den Anfang geht es aber sicher auch eine Nummer kleiner.
  • Blog als Beiboot: Du planst die ganz große Geschichte, das grundlegende Buch, die Langstrecken-Recherche, die leider erst nach Jahren zum Ergebnis führen wird? Dann ist ein Blog das passende Parallelmedium. So kommst du mit Lesenden ins Gespräch.
  • Fingerübung für eine Tätigkeit als freiberufliche Online-Redakteurin. Wenn du eine Weile lang deinen eigenen Blog betreut hast, dann wird es dir leichter fallen, für eine Fachzeitschrift oder eine Unternehmung deren Website zu redigieren und vielleicht sogar aufzubauen. Das kann mit etwas Glück ein A-Kunde für dich werden. Ich habe gleich zwei solcher A-Kunden auf WordPress-Basis.  
  • Werbung als Expertin für deine anderen, z.B. die frei journalistischen Tätigkeiten. Das ist, ehrlich gesagt, die häufigste Monetarisierungsvariante. Der Blog als deine Visitenkarte, auf der Interessenten dich auch gleich als Expertin zu deinem Thema wahrnehmen und als Autorin, Moderatorin, Reiseleiterin o.ä. verpflichten und deine Bücher kaufen.  

Aber oft funktioniert das alles nicht wirklich. Dann bist du zwar dein eigener Herr, aber leben von dieser Arbeit kannst du nicht. Das ist, ehrlich gesagt, häufiger der Fall als umgekehrt. Also solltest du besser nicht alle deine Ersparnisse und alle deinen Einsatz auf dieses Pferd allein setzen, wenn du nicht hundertprozentig überzeugt bist. Und so machen es denn auch die allermeisten journalistisch tätigen Personen: Sie bloggen aus Freude daran und zur professionellen Selbstdarstellung, aber sie erwarten keinen direkten Return of Investment.

Einen weiteren Beitrag kannst du hier lesen → Ein eigenes Online-Medium aufbauen?

War dieser Artikel hilfreich?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Redaktionelle Newsletter: ein Standbein für Freie?

Eine ziemlich alte Technik wird gerade wieder ziemlich cool. Das Medium Newsletter erlebt aktuell einen regelrechten Aufwind. Immer mehr Medienhäuser stampfen immer neue Newsletter aus dem Boden. Was steckt hinter diesem Trend und wie lässt er sich für uns Freie nutzen?

Worum geht es? Newsletter sind regelmäßig versandte E-Mail-Rundschreiben, die Abonnenten mit Inhalten wie News, Tipps oder Angeboten informieren.

Vereine, Verbände, Interessengruppen machen das schon lang, längst haben sich auch Medienhäuser angehängt. Ob Spiegel oder Tagesspiegel, Süddeutsche oder Augsburger Allgemeine. Jeder der genannten Titel hat mindestens 20 Newsletter, die man abonnieren kann. Dabei darf es durchaus speziell werden, wie bei den „Rätselhaften Krankheitsfällen “ aus dem Spiegel-Verlag.

Warum? Newsletter erleben bei Medienmachern und Medienhäusern ein starkes Comeback, weil sie viel billiger zu produzieren sind als Print oder Web, deshalb auch für schmale Zielgruppen erfolgreich betrieben werden können. Das gilt grundsätzlich genauso für Social Media. Gegenüber Instagram & Co haben Newsletter aber den Vorteil der direkten Kommunikation mit den Abonnenten – unabhängig von unwägbaren Social-Media-Algorithmen und mit einer in der Regel sehr viel konstruktiveren Gesprächskultur. Sie bieten gleichzeitig hohe Öffnungsraten und Werbeakzeptanz bei den Nutzern. Über 50 Prozent der Newsletter-Abonnenten akzeptieren Werbung für kostenfreie Inhalte, 35 Prozent sehen guten Werbeinhalt als Mehrwert.

Studien wie die ARD/ZDF-Medienstudie 2025 zeigen, dass 40 Prozent der Deutschen wöchentlich Newsletter lesen, mehr als Wikipedia-Nutzer und fast doppelt so viele wie KI-Tools. Besonders regionale Zeitungsverlage profitieren, wo 24 Prozent der Nutzer kürzlich einen Newsletter gelesen haben – gleichauf mit Social Media.

„Newsletter haben Zeitungen ersetzt und sind aus digitaler Sicht die neue Homepage.“ 

Kerel Cooper, Marketingmanager bei der Plattform LiveIntent

In fünf Schritten zum erfolgreichen Newsletter

  • Erstens eine spannende Zielgruppe ausmachen, der du kontinuierlich Mehrwert bieten kannst. Am besten bist du selbst mittendrin – als Fan von Elektro-Wohnmobilen, Liebhaber von Classic Country Music der 1970er-Jahre, als Freund von Hallenhandball, genossenschaftlicher Wohnungspolitik oder Kenner von Fernost-ETFs.
  • Zweitens dieser Zielgruppe deinen (kostenlosen) Newsletter bekannt und schmackhaft machen. Mit dem Tonfall und unverwechselbaren Content des echten Fans oder Insiders. Wichtig ist immer, eine Beziehung aufzubauen, als Kümmerer, als Zuhörer, als Lebensbegleiter, als vertrauenswürdiger guter Nachbar für die Zielgruppe.
  • Drittens: Abos einsammeln. Das funktioniert z.B. mit einem Opt-in-Formular auf deiner Website und einem zackigen Claim („Hol dir exklusive Insights gratis“), mit sogenannten Lead-Magneten wie einem E-Book „Top 10 Recherchetips“, mit Gewinnspielen, mit Cross-Promotion mit anderen Plattformen, mit einem QR-Code auf der Visitenkarten und mehr.​ Vermeide Adresskäufe, das ist nicht nur illegal, sondern du landest auch schneller als gedacht auf vielen Blacklists.​
  • Viertens: Dich in der Zielgruppe durch exklusive Infos unverzichtbar machen. Tiefe Themenbindung lohnt. Erfolge basieren auf Tiefe, nicht auf Breite.​
  • Fünftens: Durch kostenpflichtige Premiuminfos und Werbung im Newsletter Geld verdienen. Inhalte skalieren: Exklusiv für Premium (Dossiers, Interviews), Community-Features (Kommentare).​ 

So kannst du kalkulieren

Das ist der große Reiz, ein journalistisches Business auf Newslettern aufzubauen: Schon verhältnismäßig wenige Lesende reichen aus, um erfolgreich zu sein. Denn die Verbreitungskosten sind gering (siehe unten: Wie funktioniert es technisch?)

Eine typische Kalkulation funktioniert so: Du berechnest zahlenden Abonnenten (im Fachjargon: Subscribern) fünf Euro monatlich. Wenn du 1000 zahlende Subscriber gewinnst, dann hast du 5000 Euro brutto. Allerdings: um einen zahlenden Subscriber zu bekommen, brauchst du erstmal fünf bis zehn Abonnenten. Und dann noch ein paar clevere Ideen, damit die sogenannte conversion vom Gratis-Abonnenten zum zahlenden Subscriber gelingt. 

Bloggen oder Newsletter? Beides! Denn die beiden Tools ergänzen sich perfekt

Beispiel Beratungs-Newsletter. Sebastian Esser, Gründer von Krautreporter und Steady, betreibt mit Blaupause einen Newsletter. Er erklärt, wie er Erfolg in digitalen Communities aufbaut. Wer nur lesen will, kann das gratis tun. Wer 60 Euro jährlich zahlt, bekommt Extra-Infos, 1:1-Beratung und Community-Calls.

„Schon wenige Leser:innen reichen aus, um erfolgreich zu sein.“ 

Jeremy Caplan, Journalismus-Professor

Wie funktioniert es technisch?

Wer WordPress befüllen kann, kann auch einen Newsletter erstellen. Tools wie Mailchimp, Cleverreach, Newslettertogo und Raüpidmail machen es möglich. Plattform wählen: Substack/Beehiiv für Monetarisierung (Skalierbarkeit, Boosts), Ghost für volle Kontrolle, deutsche wie CleverReach/Rapidmail für DSGVO (kostenlos bis 1000 Abos). Testsieger GetResponse: 1,4 Note, ab 16 €.​ (DKIM/SPF für Lieferbarkeit).​: DSGVO-pflichtig – Double-Opt-in, Impressum, Abmelde-Link; Journalisten haben kein volles Medienprivileg, also Consent einholen.​

Welche Varianten von Newslettern bieten sich an?

a) der klassische Brief. Ein Artikel, ein Newsletter. b) die Zeitung im Kleinen. Für ein Dorf, einen Stadtteil oder als Fachmagazin. c) als Häppchen. Du teaserst nur an und verlinkst dann auf deine Fundstellen. d) der Lockvogel für dein Hauptmedium, meist deine Website.   

Newsletter als Basis für weitere Geschäfte. Beratung, Workshops…  

War dieser Artikel hilfreich?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Artikel, die dich auch interessieren könnten

Was macht die Initiative Hinterland-Journalismus?
Quer durch die Republik ziehen die Freien, um auf die Probleme des Journalismus fernab der Medienmetropolen aufmerksam zu machen. Mal ...
Der perfekte Pitch: Wie biete ich meine Beiträge besser an?
Du hast ein großartiges Thema und willst es bei diesem einen Medium unterbringen, von dem du immer geträumt hast. Nur ...
Welche rechtlichen Punkte sind wichtig?
Wenn du frei arbeitest, solltest du dein "Arbeitsrecht" kennen. Denn es gibt verschiedene gesetzliche Regeln und auch vertragsrechtliche Mittel, die ...
Online durchstarten?
Einige Tipps dafür, wo und wie du im Onlinejournalismus und der KI arbeiten kannst.
So kann es nicht weitergehen
Siehst du dich da wieder? Die bisherige journalistische Tätigkeit war noch nie wirklich ertragreich und sie wird es immer weniger. ...
Journalistisch arbeiten an der Rundfunkanstalt?
Die Rundfunkanstalten sind wichtige Auftragggebende für Freie. Hier gibt es einige Hinweise, wo freie Jobs zu finden sind und wie ...