Redaktionelle Bearbeitung

Der Artikel wurde ursprünglich verfasst von: Hans Werner Rodrian

Revisionen

Bearbeitung: Hans Werner Rodrian
Datum und Uhrzeit: 2026-04-09 15:09:57
Inhalt der Änderung

Du hast vor Technik keine Angst, kommst mit Zahlen und Daten gut klar und bist hartnäckig bei der Recherche wie der Themensuche: Dann könnte Datenjournalismus für dich ein Thema sein. Datenjournalismus ist keine neue Form von Journalismus, sondern eine andere Form zu recherchieren und Quellen zu finden. Dieses Wissen hilft dir, neu durchzustarten in deinem guten alten Tätigkeitsfeld oder auch in neuen Themenbereichen: Versuch's doch mal mit Daten!

Die Schneehöhen in den deutschen Mittelgebirgen, eine Liste aller Straßen in Aschaffenburg, die Statistik der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland, ein fränkischer Grundwasseratlas. Langweilig? Nicht wenn du datenjournalistisch heran gehst. Der Main-Echo-Redakteur Kevin Zahn machte aus der Straßenliste z.B. eine Geschichte, dass nicht mal so viele Straßen in Aschaffenburg nach allen Frauen zusammen benannt sind als allein nach Männern mit dem Vornamen Karl. 

Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus

Klimadaten, Wirtschaftszahlen, Wahlergebnisse: Nie waren so viele Daten wie heute verfügbar. Und daraus lässt sich etwas machen. Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus – na ja, sie sind zumindest mal was anderes, als immer nur auf eine Pressekonferenz zu gehen. Und deshalb bist du normalerweise erst mal alleiniger Anbieter von Themen, die aus Datenanalysen entstehen. Es ist ein spannender Werkzeugkasten, der sich da öffnet, seit Behörden im Zug der Open Government- und Open Data-Bewegung ihre Daten-Schatzkästen öffnen und seit Open-Source-Programme und KI-Unterstützung einst superteure Analysen inzwischen auf dem Laptop ermöglichen. 

Doch ob du in einem zehnköpfigen investigativen Ressort wie beim Bayerischen Rundfunk oder beim Spiegel unterkommen und dort die nächsten Panama Papers aufdeckst oder ob du in deinem lokalen Bereich einen journalistischen Dreh aus dem Straßennamenverzeichnis findest: Am Ende geht es doch immer um den journalistischen Riecher und das journalistische Handwerk. Du musst aus schnöden Datensätzen Geschichten heraus finden und die dann auch professionell für deine Zielgruppe aufbereiten und formulieren.

Am Ende müssen aus Daten Geschichten werden

Wo du bisher vielleicht ein gutes Informantennetz hattest oder einfach nur die richtigen Fachzeitschriften gelesen hast, bietet dir Datenjournalismus eine weitere, neue Recherchebasis. Es ist eine anndere Art, Themen zu setzen. Und in neuer Form zu reagieren. Ein Musterbeispiel dafür ist Wahlberichterstattung: Die funktioniert heute bis runter auf die Gemeindeebene praktisch live und in Echtzeit. Und dann kommt die Zweitverwertung: Wenn die Wahl vorbei ist, kannst du dir aus der Masse der Daten die spannendsten Sachen rauspicken und ganz klassisch darüber berichten.

Wie funktioniert es?

Das Ganze basiert meist darauf, Daten zu bekommen, einzulesen, zu analysieren und auszuwerten und am Ende aufzubereiten. Das funktioniert oft bereits mit Excel, in der Regel kommen datenjournalistisch Tätige aber um Programmierung nicht herum. Meistens wird heute Python genutzt, doch das kann sich morgen schon wieder geändert haben. Wichtig wird es aber bleiben, die erhaltenen Daten zu bewerten. Wer hat sie erhoben? Wie wurden sie erhoben? Wie hoch mag die Fehlerrate sein?

Wie kommt man an die Daten?

Oft genug stehen sie öffentlich einsehbar auf einer z.B. behördlichen Website. Oder sind als Geschäftsberichte eines Unternehmens der vergangenen 10, 15, 20 Jahre im Archiv deiner Lokalzeitung. Oder du bekommst sie von einem Informanten durchgestochen. 

Du kannst aber auch offiziell bei Institutionen anfragen. Schließlich haben journalistisch Tätige einen Auskunftsanspruch gegenüber Behörden, der sich aus § 5 Grundgesetz herleitet und in den Länderpressegesetzen konkretisiert wird. Auch hat die gesamte Bevölkerung (und damit jeder journalistisch Tätige) einen Auskunftsanspruch nach den Informationsfreiheitsgesetzen des Bundes und der Länder. 

Sinnvoller ist es meistens, den Anspruch auf die Pressegesetze zu stützen. Zum einen, weil sonst manchmal ganz erhebliche Gebühren fällig werden können. Zum anderen, weil das Medienprivileg hinterher weitgehend die Einschränkungen durch die Datenschutzgrundverordnung aushebelt.

Musst du für Datenjournalismus IT-Fachkraft sein?

Na ja, das meiste kannst du dir antrainieren. Aber ohne ein gewisses technisches Grundverständnis macht es vermutlich wenig Sinn. Du solltest keine Angst haben vor Zahlen und Zeilen. Und Freude daran haben, aus langweiligen Zeichenfolgen spannende Geschichten zu machen. Diese Fertigkeiten werden dir helfen:

  • Fitness in Excel, im Gruppieren von Daten und z.B. mit Pivot-Tabellen
  • Erfahrung im Bau und beim Abfragen von Datenbanken 
  • Keine Angst vor Skriptsprachen und Programmiersprachen wie Python. Wobei sich das gerade dank KI deutlich vereinfacht.
  • Grundlagenverständnis von Statistik

Für die Veröffentlichung solltest du ein neues Gefühl dafür entwickeln, wie du das Ergebnis deiner Recherche darstellst. Denn das kann, muss aber nicht mehr eine klassische Reportage sein. Programme wie Datawrapper unterstützen dich, Zahlen in interaktive Grafiken auszuspielen. Oft hilft eine digitale Landkarte. Oder ein Dashboard. Du hast es wahrscheinlich während der Covid-Pandemie kennengelernt, als die zuvor in Deutschland wenig bekannte John Hopkins Universität durch ihr Corona-Dashboard weltweite Aufmerksamkeit erlangte. 

Ist das noch Journalismus?

Aber natürlich! Schon die Hypothesen erfordern eine journalistische Herangehensweise: Was interessiert? In was für eine Geschichte könnte die Recherche münden? Dann ist das Ergebnis mit journalistischem Know-how zu hinterfragen. Und am Ende geht es um die Darstellung. Und das heißt oft wieder ganz klassisch, individuelle Menschen anzusprechen und ihre Geschichten zu recherchieren, die das Ergebnis der Recherche plastisch machen.

Eine wichtige journalistische Fähigkeit ist zudem der Faktencheck: Nur mit den passenden Daten kannst du oft erkennen und aufzeigen, welche im öffentlichen Diskurs geäußerten Behauptungen sich belegen lassen und welche eben nicht. Der große Vorteil: Du kannst emotional aufgeladene Diskussionen auf faktenbasierte Beine stellen, ganz egal, ob es sich nun um Antisemititsmus oder Wärmepumpen handelt. Wo die klassische Reporterin ihre Geschichte auf Einzelfälle aufbaut, nutzt der Datenjournalismus systematische Analysen.

Wer kann Datenjournalismus brauchen? 

Datenjournalismus erfordert oft einen langen Atem. Manchmal sogar einen sehr langen Atem.

Aber er funktioniert praktisch bei den allermeisten journalistischen Themenfeldern - auch solchen, wo du das vielleicht nicht gleich erwartest. Im Sport (zB. auf Basis von Spielergebnis-Tabellen oder Spielerlisten). In der Lokalpolitik (wenn du z.B. Arbeitslosenzahlen aus deinem Landkreis analysierst). Wenn du suchst, findest du Anknüpfungspunkte auch in der Reise. Und im Feuilleton. 

So kannst du in deinem Herzensthema bleiben, findest plötzlich Themenansätze, wo du wenig oder keinen Wettbewerb hast. Und du kannst potenziellen Abnehmern etwas anbieten, was sie in der Regel selbst nicht beherrschen. 

Und wenn du mal drin bist im Datenjournalismus, bist du plötzlich gefragt auch in anderen Ressorts und Themenbereichen, kannst dich breiter aufstellen und beruflich absichern. Denn du hast jetzt ein Alleinstellungsmerkmal.

Wie kann ich starten?

Du kannst natürlich einfach so beginnen und dich mit Youtube-Online-Kursen voranbringen. Du kannst aber auch eines der zahlreichen Weiterbildungsangebote auf dem Markt nutzen. Da findest du dann oft neben dem theoretischen Zugang und dem praktischen Blick auf gute Geschichten auch andere Freie, mit denen du dich austauschen oder gleich ein gemeinsames Projekt starten kannst. Denn Datenjournalismus bedeutet praktisch immer Teamarbeit. 

Hier Aus- und Weiterblildungsanbieter mit datenjournalistischen Kursen, die zum Recherchezeitpunkt (April 2026) angeboten wurden:

  • Akademie der bayerischen Presse
  • Berliner Journalistenschule
  • Journalist:innen-Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung
  • Reporterfabrik

Viele Angebote sind für Freie über Bildungszeit, KfW oder Freiberufler-Förderprogramme förderfähig.

***


Bearbeitung: Hans Werner Rodrian
Datum und Uhrzeit: 2026-04-09 15:09:44
Inhalt der Änderung

Du hast vor Technik keine Angst, kommst mit Zahlen und Daten gut klar und bist hartnäckig bei der Recherche wie der Themensuche: Dann könnte Datenjournalismus für dich ein Thema sein. Datenjournalismus ist keine neue Form von Journalismus, sondern eine andere Form zu recherchieren und Quellen zu finden. Dieses Wissen hilft dir, neu durchzustarten in deinem guten alten Tätigkeitsfeld oder auch in neuen Themenbereichen: Versuch's doch mal mit Daten!

Die Schneehöhen in den deutschen Mittelgebirgen, eine Liste aller Straßen in Aschaffenburg, die Statistik der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland, ein fränkischer Grundwasseratlas. Langweilig? Nicht wenn du datenjournalistisch heran gehst. Der Main-Echo-Redakteur Kevin Zahn machte aus der Straßenliste z.B. eine Geschichte, dass nicht mal so viele Straßen in Aschaffenburg nach allen Frauen zusammen benannt sind als allein nach Männern mit dem Vornamen Karl. 

Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus

Klimadaten, Wirtschaftszahlen, Wahlergebnisse: Nie waren so viele Daten wie heute verfügbar. Und daraus lässt sich etwas machen. Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus – na ja, sie sind zumindest mal was anderes, als immer nur auf eine Pressekonferenz zu gehen. Und deshalb bist du normalerweise erst mal alleiniger Anbieter von Themen, die aus Datenanalysen entstehen. Es ist ein spannender Werkzeugkasten, der sich da öffnet, seit Behörden im Zug der Open Government- und Open Data-Bewegung ihre Daten-Schatzkästen öffnen und seit Open-Source-Programme und KI-Unterstützung einst superteure Analysen inzwischen auf dem Laptop ermöglichen. 

Doch ob du in einem zehnköpfigen investigativen Ressort wie beim Bayerischen Rundfunk oder beim Spiegel unterkommen und dort die nächsten Panama Papers aufdeckst oder ob du in deinem lokalen Bereich einen journalistischen Dreh aus dem Straßennamenverzeichnis findest: Am Ende geht es doch immer um den journalistischen Riecher und das journalistische Handwerk. Du musst aus schnöden Datensätzen Geschichten heraus finden und die dann auch professionell für deine Zielgruppe aufbereiten und formulieren.

Am Ende müssen aus Daten Geschichten werden

Wo du bisher vielleicht ein gutes Informantennetz hattest oder einfach nur die richtigen Fachzeitschriften gelesen hast, bietet dir Datenjournalismus eine weitere, neue Recherchebasis. Es ist eine anndere Art, Themen zu setzen. Und in neuer Form zu reagieren. Ein Musterbeispiel dafür ist Wahlberichterstattung: Die funktioniert heute bis runter auf die Gemeindeebene praktisch live und in Echtzeit. Und dann kommt die Zweitverwertung: Wenn die Wahl vorbei ist, kannst du dir aus der Masse der Daten die spannendsten Sachen rauspicken und ganz klassisch darüber berichten.

Wie funktioniert es?

Das Ganze basiert meist darauf, Daten zu bekommen, einzulesen, zu analysieren und auszuwerten und am Ende aufzubereiten. Das funktioniert oft bereits mit Excel, in der Regel kommen datenjournalistisch Tätige aber um Programmierung nicht herum. Meistens wird heute Python genutzt, doch das kann sich morgen schon wieder geändert haben. Wichtig wird es aber bleiben, die erhaltenen Daten zu bewerten. Wer hat sie erhoben? Wie wurden sie erhoben? Wie hoch mag die Fehlerrate sein?

Wie kommt man an die Daten?

Oft genug stehen sie öffentlich einsehbar auf einer z.B. behördlichen Website. Oder sind als Geschäftsberichte eines Unternehmens der vergangenen 10, 15, 20 Jahre im Archiv deiner Lokalzeitung. Oder du bekommst sie von einem Informanten durchgestochen. 

Du kannst aber auch offiziell bei Institutionen anfragen. Schließlich haben journalistisch Tätige einen Auskunftsanspruch gegenüber Behörden, der sich aus § 5 Grundgesetz herleitet und in den Länderpressegesetzen konkretisiert wird. Auch hat die gesamte Bevölkerung (und damit jeder journalistisch Tätige) einen Auskunftsanspruch nach den Informationsfreiheitsgesetzen des Bundes und der Länder. 

Sinnvoller ist es meistens, den Anspruch auf die Pressegesetze zu stützen. Zum einen, weil sonst manchmal ganz erhebliche Gebühren fällig werden können. Zum anderen, weil das Medienprivileg hinterher weitgehend die Einschränkungen durch die Datenschutzgrundverordnung aushebelt.

Musst du für Datenjournalismus IT-Fachkraft sein?

Na ja, das meiste kannst du dir antrainieren. Aber ohne ein gewisses technisches Grundverständnis macht es vermutlich wenig Sinn. Du solltest keine Angst haben vor Zahlen und Zeilen. Und Freude daran haben, aus langweiligen Zeichenfolgen spannende Geschichten zu machen. Diese Fertigkeiten werden dir helfen:

  • Fitness in Excel, im Gruppieren von Daten und z.B. mit Pivot-Tabellen
  • Erfahrung im Bau und beim Abfragen von Datenbanken 
  • Keine Angst vor Skriptsprachen und Programmiersprachen wie Python. Wobei sich das gerade dank KI deutlich vereinfacht.
  • Grundlagenverständnis von Statistik

Für die Veröffentlichung solltest du ein neues Gefühl dafür entwickeln, wie du das Ergebnis deiner Recherche darstellst. Denn das kann, muss aber nicht mehr eine klassische Reportage sein. Programme wie Datawrapper unterstützen dich, Zahlen in interaktive Grafiken auszuspielen. Oft hilft eine digitale Landkarte. Oder ein Dashboard. Du hast es wahrscheinlich während der Covid-Pandemie kennengelernt, als die zuvor in Deutschland wenig bekannte John Hopkins Universität durch ihr Corona-Dashboard weltweite Aufmerksamkeit erlangte. 

Ist das noch Journalismus?

Aber natürlich! Schon die Hypothesen erfordern eine journalistische Herangehensweise: Was interessiert? In was für eine Geschichte könnte die Recherche münden? Dann ist das Ergebnis mit journalistischem Know-how zu hinterfragen. Und am Ende geht es um die Darstellung. Und das heißt oft wieder ganz klassisch, individuelle Menschen anzusprechen und ihre Geschichten zu recherchieren, die das Ergebnis der Recherche plastisch machen.

Eine wichtige journalistische Fähigkeit ist zudem der Faktencheck: Nur mit den passenden Daten kannst du oft erkennen und aufzeigen, welche im öffentlichen Diskurs geäußerten Behauptungen sich belegen lassen und welche eben nicht. Der große Vorteil: Du kannst emotional aufgeladene Diskussionen auf faktenbasierte Beine stellen, ganz egal, ob es sich nun um Antisemititsmus oder Wärmepumpen handelt. Wo die klassische Reporterin ihre Geschichte auf Einzelfälle aufbaut, nutzt der Datenjournalismus systematische Analysen.

Wer kann Datenjournalismus brauchen? 

Datenjournalismus erfordert oft einen langen Atem. Manchmal sogar einen sehr langen Atem.

Aber er funktioniert praktisch bei den allermeisten journalistischen Themenfeldern - auch solchen, wo du das vielleicht nicht gleich erwartest. Im Sport (zB. auf Basis von Spielergebnis-Tabellen oder Spielerlisten). In der Lokalpolitik (wenn du z.B. Arbeitslosenzahlen aus deinem Landkreis analysierst). Wenn du suchst, findest du Anknüpfungspunkte auch in der Reise. Und im Feuilleton. 

So kannst du in deinem Herzensthema bleiben, findest plötzlich Themenansätze, wo du wenig oder keinen Wettbewerb hast. Und du kannst potenziellen Abnehmern etwas anbieten, was sie in der Regel selbst nicht beherrschen. 

Und wenn du mal drin bist im Datenjournalismus, bist du plötzlich gefragt auch in anderen Ressorts und Themenbereichen, kannst dich breiter aufstellen und beruflich absichern. Denn du hast jetzt ein Alleinstellungsmerkmal.

Wie kann ich starten?

Du kannst natürlich einfach so beginnen und dich mit Youtube-Online-Kursen voranbringen. Du kannst aber auch eines der zahlreichen Weiterbildungsangebote auf dem Markt nutzen. Da findest du dann oft neben dem theoretischen Zugang und dem praktischen Blick auf gute Geschichten auch andere Freie, mit denen du dich austauschen oder gleich ein gemeinsames Projekt starten kannst. Denn Datenjournalismus bedeutet praktisch immer Teamarbeit. 

Hier Aus- und Weiterblildungsanbieter mit datenjournalistischen Kursen, die zum Recherchezeitpunkt (April 2026) angeboten wurden:

  • Akademie der bayerischen Presse
  • Berliner Journalistenschule
  • Journalist:innen-Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung
  • Reporterfabrik

Viele Angebote sind für Freie über Bildungszeit, KfW oder Freiberufler-Förderprogramme förderfähig.

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Bearbeitung: Hans Werner Rodrian
Datum und Uhrzeit: 2026-04-09 15:09:13
Inhalt der Änderung

Du hast vor Technik keine Angst, kommst mit Zahlen und Daten gut klar und bist hartnäckig bei der Recherche wie der Themensuche: Dann könnte Datenjournalismus für dich ein Thema sein. Datenjournalismus ist keine neue Form von Journalismus, sondern eine andere Form zu recherchieren und Quellen zu finden. Dieses Wissen hilft dir, neu durchzustarten in deinem guten alten Tätigkeitsfeld oder auch in neuen Themenbereichen: Versuch's doch mal mit Daten!

Die Schneehöhen in den deutschen Mittelgebirgen, eine Liste aller Straßen in Aschaffenburg, die Statistik der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland, ein fränkischer Grundwasseratlas. Langweilig? Nicht wenn du datenjournalistisch heran gehst. Der Main-Echo-Redakteur Kevin Zahn machte aus der Straßenliste z.B. eine Geschichte, dass nicht mal so viele Straßen in Aschaffenburg nach allen Frauen zusammen benannt sind als allein nach Männern mit dem Vornamen Karl. 

Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus

Klimadaten, Wirtschaftszahlen, Wahlergebnisse: Nie waren so viele Daten wie heute verfügbar. Und daraus lässt sich etwas machen. Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus – na ja, sie sind zumindest mal was anderes, als immer nur auf eine Pressekonferenz zu gehen. Und deshalb bist du normalerweise erst mal alleiniger Anbieter von Themen, die aus Datenanalysen entstehen. Es ist ein spannender Werkzeugkasten, der sich da öffnet, seit Behörden im Zug der Open Government- und Open Data-Bewegung ihre Daten-Schatzkästen öffnen und seit Open-Source-Programme und KI-Unterstützung einst superteure Analysen inzwischen auf dem Laptop ermöglichen. 

Doch ob du in einem zehnköpfigen investigativen Ressort wie beim Bayerischen Rundfunk oder beim Spiegel unterkommen und dort die nächsten Panama Papers aufdeckst oder ob du in deinem lokalen Bereich einen journalistischen Dreh aus dem Straßennamenverzeichnis findest: Am Ende geht es doch immer um den journalistischen Riecher und das journalistische Handwerk. Du musst aus schnöden Datensätzen Geschichten heraus finden und die dann auch professionell für deine Zielgruppe aufbereiten und formulieren.

Am Ende müssen aus Daten Geschichten werden

Wo du bisher vielleicht ein gutes Informantennetz hattest oder einfach nur die richtigen Fachzeitschriften gelesen hast, bietet dir Datenjournalismus eine weitere, neue Recherchebasis. Es ist eine anndere Art, Themen zu setzen. Und in neuer Form zu reagieren. Ein Musterbeispiel dafür ist Wahlberichterstattung: Die funktioniert heute bis runter auf die Gemeindeebene praktisch live und in Echtzeit. Und dann kommt die Zweitverwertung: Wenn die Wahl vorbei ist, kannst du dir aus der Masse der Daten die spannendsten Sachen rauspicken und ganz klassisch darüber berichten.

Wie funktioniert es?

Das Ganze basiert meist darauf, Daten zu bekommen, einzulesen, zu analysieren und auszuwerten und am Ende aufzubereiten. Das funktioniert oft bereits mit Excel, in der Regel kommen datenjournalistisch Tätige aber um Programmierung nicht herum. Meistens wird heute Python genutzt, doch das kann sich morgen schon wieder geändert haben. Wichtig wird es aber bleiben, die erhaltenen Daten zu bewerten. Wer hat sie erhoben? Wie wurden sie erhoben? Wie hoch mag die Fehlerrate sein?

Wie kommt man an die Daten?

Oft genug stehen sie öffentlich einsehbar auf einer z.B. behördlichen Website. Oder sind als Geschäftsberichte eines Unternehmens der vergangenen 10, 15, 20 Jahre im Archiv deiner Lokalzeitung. Oder du bekommst sie von einem Informanten durchgestochen. 

Du kannst aber auch offiziell bei Institutionen anfragen. Schließlich haben journalistisch Tätige einen Auskunftsanspruch gegenüber Behörden, der sich aus § 5 Grundgesetz herleitet und in den Länderpressegesetzen konkretisiert wird. Auch hat die gesamte Bevölkerung (und damit jeder journalistisch Tätige) einen Auskunftsanspruch nach den Informationsfreiheitsgesetzen des Bundes und der Länder. 

Sinnvoller ist es meistens, den Anspruch auf die Pressegesetze zu stützen. Zum einen, weil sonst manchmal ganz erhebliche Gebühren fällig werden können. Zum anderen, weil das Medienprivileg hinterher weitgehend die Einschränkungen durch die Datenschutzgrundverordnung aushebelt.

Musst du für Datenjournalismus IT-Fachkraft sein?

Na ja, das meiste kannst du dir antrainieren. Aber ohne ein gewisses technisches Grundverständnis macht es vermutlich wenig Sinn. Du solltest keine Angst haben vor Zahlen und Zeilen. Und Freude daran haben, aus langweiligen Zeichenfolgen spannende Geschichten zu machen. Diese Fertigkeiten werden dir helfen:

  • Fitness in Excel, im Gruppieren von Daten und z.B. mit Pivot-Tabellen
  • Erfahrung im Bau und beim Abfragen von Datenbanken 
  • Keine Angst vor Skriptsprachen und Programmiersprachen wie Python. Wobei sich das gerade dank KI deutlich vereinfacht.
  • Grundlagenverständnis von Statistik

Für die Veröffentlichung solltest du ein neues Gefühl dafür entwickeln, wie du das Ergebnis deiner Recherche darstellst. Denn das kann, muss aber nicht mehr eine klassische Reportage sein. Programme wie Datawrapper unterstützen dich, Zahlen in interaktive Grafiken auszuspielen. Oft hilft eine digitale Landkarte. Oder ein Dashboard. Du hast es wahrscheinlich während der Covid-Pandemie kennengelernt, als die zuvor in Deutschland wenig bekannte John Hopkins Universität durch ihr Corona-Dashboard weltweite Aufmerksamkeit erlangte. 

Ist das noch Journalismus? Aber natürlich! Schon die Hypothesen erfordern eine journalistische Herangehensweise: Was interessiert? In was für eine Geschichte könnte die Recherche münden? Dann ist das Ergebnis mit journalistischem Know-how zu hinterfragen. Und am Ende geht es um die Darstellung. Und das heißt oft wieder ganz klassisch, individuelle Menschen anzusprechen und ihre Geschichten zu recherchieren, die das Ergebnis der Recherche plastisch machen.

Eine wichtige journalistische Fähigkeit ist zudem der Faktencheck: Nur mit den passenden Daten kannst du oft erkennen und aufzeigen, welche im öffentlichen Diskurs geäußerten Behauptungen sich belegen lassen und welche eben nicht. Der große Vorteil: Du kannst emotional aufgeladene Diskussionen auf faktenbasierte Beine stellen, ganz egal, ob es sich nun um Antisemititsmus oder Wärmepumpen handelt. Wo die klassische Reporterin ihre Geschichte auf Einzelfälle aufbaut, nutzt der Datenjournalismus systematische Analysen.

Wer kann Datenjournalismus brauchen? 

Datenjournalismus erfordert oft einen langen Atem. Manchmal sogar einen sehr langen Atem.

Aber er funktioniert praktisch bei den allermeisten journalistischen Themenfeldern - auch solchen, wo du das vielleicht nicht gleich erwartest. Im Sport (zB. auf Basis von Spielergebnis-Tabellen oder Spielerlisten). In der Lokalpolitik (wenn du z.B. Arbeitslosenzahlen aus deinem Landkreis analysierst). Wenn du suchst, findest du Anknüpfungspunkte auch in der Reise. Und im Feuilleton. 

So kannst du in deinem Herzensthema bleiben, findest plötzlich Themenansätze, wo du wenig oder keinen Wettbewerb hast. Und du kannst potenziellen Abnehmern etwas anbieten, was sie in der Regel selbst nicht beherrschen. 

Und wenn du mal drin bist im Datenjournalismus, bist du plötzlich gefragt auch in anderen Ressorts und Themenbereichen, kannst dich breiter aufstellen und beruflich absichern. Denn du hast jetzt ein Alleinstellungsmerkmal.

Wie kann ich starten?

Du kannst natürlich einfach so beginnen und dich mit Youtube-Online-Kursen voranbringen. Du kannst aber auch eines der zahlreichen Weiterbildungsangebote auf dem Markt nutzen. Da findest du dann oft neben dem theoretischen Zugang und dem praktischen Blick auf gute Geschichten auch andere Freie, mit denen du dich austauschen oder gleich ein gemeinsames Projekt starten kannst. Denn Datenjournalismus bedeutet praktisch immer Teamarbeit. 

Hier Aus- und Weiterblildungsanbieter mit datenjournalistischen Kursen, die zum Recherchezeitpunkt (April 2026) angeboten wurden:

  • Akademie der bayerischen Presse
  • Berliner Journalistenschule
  • Journalist:innen-Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung
  • Reporterfabrik

Viele Angebote sind für Freie über Bildungszeit, KfW oder Freiberufler-Förderprogramme förderfähig.

***


Bearbeitung: Hans Werner Rodrian
Datum und Uhrzeit: 2026-04-09 15:07:13
Inhalt der Änderung

Du hast vor Technik keine Angst, kommst mit Zahlen und Daten gut klar und bist hartnäckig bei der Recherche wie der Themensuche: Dann könnte Datenjournalismus für dich ein Thema sein. Datenjournalismus ist keine neue Form von Journalismus, sondern eine andere Form zu recherchieren und Quellen zu finden. Dieses Wissen hilft dir, neu durchzustarten in deinem guten alten Tätigkeitsfeld oder auch in neuen Themenbereichen: Versuch's doch mal mit Daten!

Die Schneehöhen in den deutschen Mittelgebirgen, eine Liste aller Straßen in Aschaffenburg, die Statistik der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland, ein fränkischer Grundwasseratlas. Langweilig? Nicht wenn du datenjournalistisch heran gehst. Der Main-Echo-Redakteur Kevin Zahn machte aus der Straßenliste z.B. eine Geschichte, dass nicht mal so viele Straßen in Aschaffenburg nach allen Frauen zusammen benannt sind als allein nach Männern mit dem Vornamen Karl. 

Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus

Klimadaten, Wirtschaftszahlen, Wahlergebnisse: Nie waren so viele Daten wie heute verfügbar. Und daraus lässt sich etwas machen. Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus – na ja, sie sind zumindest mal was anderes, als immer nur auf eine Pressekonferenz zu gehen. Und deshalb bist du normalerweise erst mal alleiniger Anbieter von Themen, die aus Datenanalysen entstehen. Es ist ein spannender Werkzeugkasten, der sich da öffnet, seit Behörden im Zug der Open Government- und Open Data-Bewegung ihre Daten-Schatzkästen öffnen und seit Open-Source-Programme und KI-Unterstützung einst superteure Analysen inzwischen auf dem Laptop ermöglichen. 

Doch ob du in einem zehnköpfigen investigativen Ressort wie beim Bayerischen Rundfunk oder beim Spiegel unterkommen und dort die nächsten Panama Papers aufdeckst oder ob du in deinem lokalen Bereich einen journalistischen Dreh aus dem Straßennamenverzeichnis findest: Am Ende geht es doch immer um den journalistischen Riecher und das journalistische Handwerk. Du musst aus schnöden Datensätzen Geschichten heraus finden und die dann auch professionell für deine Zielgruppe aufbereiten und formulieren.

Am Ende müssen aus Daten Geschichten werden

Wo du bisher vielleicht ein gutes Informantennetz hattest oder einfach nur die richtigen Fachzeitschriften gelesen hast, bietet dir Datenjournalismus eine weitere, neue Recherchebasis. Es ist eine anndere Art, Themen zu setzen. Und in neuer Form zu reagieren. Ein Musterbeispiel dafür ist Wahlberichterstattung: Die funktioniert heute bis runter auf die Gemeindeebene praktisch live und in Echtzeit. Und dann kommt die Zweitverwertung: Wenn die Wahl vorbei ist, kannst du dir aus der Masse der Daten die spannendsten Sachen rauspicken und ganz klassisch darüber berichten.

Wie funktioniert es? Das Ganze basiert meist darauf, Daten zu bekommen, einzulesen, zu analysieren und auszuwerten und am Ende aufzubereiten. Das funktioniert oft bereits mit Excel, in der Regel kommen datenjournalistisch Tätige aber um Programmierung nicht herum. Meistens wird heute Python genutzt, doch das kann sich morgen schon wieder geändert haben. Wichtig wird es aber bleiben, die erhaltenen Daten zu bewerten. Wer hat sie erhoben? Wie wurden sie erhoben? Wie hoch mag die Fehlerrate sein?

Wie kommt man an die Daten? Oft genug stehen sie öffentlich einsehbar auf einer z.B. behördlichen Website. Oder sind als Geschäftsberichte eines Unternehmens der vergangenen 10, 15, 20 Jahre im Archiv deiner Lokalzeitung. Oder du bekommst sie von einem Informanten durchgestochen. 

Du kannst aber auch offiziell bei Institutionen anfragen. Schließlich haben journalistisch Tätige einen Auskunftsanspruch gegenüber Behörden, der sich aus § 5 Grundgesetz herleitet und in den Länderpressegesetzen konkretisiert wird. Auch hat die gesamte Bevölkerung (und damit jeder journalistisch Tätige) einen Auskunftsanspruch nach den Informationsfreiheitsgesetzen des Bundes und der Länder. 

Sinnvoller ist es meistens, den Anspruch auf die Pressegesetze zu stützen. Zum einen, weil sonst manchmal ganz erhebliche Gebühren fällig werden können. Zum anderen, weil das Medienprivileg hinterher weitgehend die Einschränkungen durch die Datenschutzgrundverordnung aushebelt.

Musst du für Datenjournalismus IT-Fachkraft sein? Na ja, das meiste kannst du dir antrainieren. Aber ohne ein gewisses technisches Grundverständnis macht es vermutlich wenig Sinn. Du solltest keine Angst haben vor Zahlen und Zeilen. Und Freude daran haben, aus langweiligen Zeichenfolgen spannende Geschichten zu machen. Diese Fertigkeiten werden dir helfen:

  • Fitness in Excel, im Gruppieren von Daten und z.B. mit Pivot-Tabellen
  • Erfahrung im Bau und beim Abfragen von Datenbanken 
  • Keine Angst vor Skriptsprachen und Programmiersprachen wie Python. Wobei sich das gerade dank KI deutlich vereinfacht.
  • Grundlagenverständnis von Statistik

Für die Veröffentlichung solltest du ein neues Gefühl dafür entwickeln, wie du das Ergebnis deiner Recherche darstellst. Denn das kann, muss aber nicht mehr eine klassische Reportage sein. Programme wie Datawrapper unterstützen dich, Zahlen in interaktive Grafiken auszuspielen. Oft hilft eine digitale Landkarte. Oder ein Dashboard. Du hast es wahrscheinlich während der Covid-Pandemie kennengelernt, als die zuvor in Deutschland wenig bekannte John Hopkins Universität durch ihr Corona-Dashboard weltweite Aufmerksamkeit erlangte. 

Ist das noch Journalismus? Aber natürlich! Schon die Hypothesen erfordern eine journalistische Herangehensweise: Was interessiert? In was für eine Geschichte könnte die Recherche münden? Dann ist das Ergebnis mit journalistischem Know-how zu hinterfragen. Und am Ende geht es um die Darstellung. Und das heißt oft wieder ganz klassisch, individuelle Menschen anzusprechen und ihre Geschichten zu recherchieren, die das Ergebnis der Recherche plastisch machen.

Eine wichtige journalistische Fähigkeit ist zudem der Faktencheck: Nur mit den passenden Daten kannst du oft erkennen und aufzeigen, welche im öffentlichen Diskurs geäußerten Behauptungen sich belegen lassen und welche eben nicht. Der große Vorteil: Du kannst emotional aufgeladene Diskussionen auf faktenbasierte Beine stellen, ganz egal, ob es sich nun um Antisemititsmus oder Wärmepumpen handelt. Wo die klassische Reporterin ihre Geschichte auf Einzelfälle aufbaut, nutzt der Datenjournalismus systematische Analysen.

Wer kann Datenjournalismus brauchen? 

Datenjournalismus erfordert oft einen langen Atem. Manchmal sogar einen sehr langen Atem.

Aber er funktioniert praktisch bei den allermeisten journalistischen Themenfeldern - auch solchen, wo du das vielleicht nicht gleich erwartest. Im Sport (zB. auf Basis von Spielergebnis-Tabellen oder Spielerlisten). In der Lokalpolitik (wenn du z.B. Arbeitslosenzahlen aus deinem Landkreis analysierst). Wenn du suchst, findest du Anknüpfungspunkte auch in der Reise. Und im Feuilleton. 

So kannst du in deinem Herzensthema bleiben, findest plötzlich Themenansätze, wo du wenig oder keinen Wettbewerb hast. Und du kannst potenziellen Abnehmern etwas anbieten, was sie in der Regel selbst nicht beherrschen. 

Und wenn du mal drin bist im Datenjournalismus, bist du plötzlich gefragt auch in anderen Ressorts und Themenbereichen, kannst dich breiter aufstellen und beruflich absichern. Denn du hast jetzt ein Alleinstellungsmerkmal.

Wie kann ich starten?

Du kannst natürlich einfach so beginnen und dich mit Youtube-Online-Kursen voranbringen. Du kannst aber auch eines der zahlreichen Weiterbildungsangebote auf dem Markt nutzen. Da findest du dann oft neben dem theoretischen Zugang und dem praktischen Blick auf gute Geschichten auch andere Freie, mit denen du dich austauschen oder gleich ein gemeinsames Projekt starten kannst. Denn Datenjournalismus bedeutet praktisch immer Teamarbeit. 

Hier Aus- und Weiterblildungsanbieter mit datenjournalistischen Kursen, die zum Recherchezeitpunkt (April 2026) angeboten wurden:

  • Akademie der bayerischen Presse
  • Berliner Journalistenschule
  • Journalist:innen-Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung
  • Reporterfabrik

Viele Angebote sind für Freie über Bildungszeit, KfW oder Freiberufler-Förderprogramme förderfähig.

***


Bearbeitung: Hans Werner Rodrian
Datum und Uhrzeit: 2026-04-09 15:05:55
Inhalt der Änderung

Du hast vor Technik keine Angst, kommst mit Zahlen und Daten gut klar und bist hartnäckig bei der Recherche wie der Themensuche: Dann könnte Datenjournalismus für dich ein Thema sein. Datenjournalismus ist keine neue Form von Journalismus, sondern eine andere Form zu recherchieren und Quellen zu finden. Dieses Wissen hilft dir, neu durchzustarten in deinem guten alten Tätigkeitsfeld oder auch in neuen Themenbereichen: Versuch's doch mal mit Daten!

Die Schneehöhen in den deutschen Mittelgebirgen, eine Liste aller Straßen in Aschaffenburg, die Statistik der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland, ein fränkischer Grundwasseratlas. Langweilig? Nicht wenn du datenjournalistisch heran gehst. Der Main-Echo-Redakteur Kevin Zahn machte aus der Straßenliste z.B. eine Geschichte, dass nicht mal so viele Straßen in Aschaffenburg nach allen Frauen zusammen benannt sind als allein nach Männern mit dem Vornamen Karl. 

Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus

Klimadaten, Wirtschaftszahlen, Wahlergebnisse: Nie waren so viele Daten wie heute verfügbar. Und daraus lässt sich etwas machen. Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus – na ja, sie sind zumindest mal was anderes, als immer nur auf eine Pressekonferenz zu gehen. Und deshalb bist du normalerweise erst mal alleiniger Anbieter von Themen, die aus Datenanalysen entstehen. Es ist ein spannender Werkzeugkasten, der sich da öffnet, seit Behörden im Zug der Open Government- und Open Data-Bewegung ihre Daten-Schatzkästen öffnen und seit Open-Source-Programme und KI-Unterstützung einst superteure Analysen inzwischen auf dem Laptop ermöglichen. 

Doch ob du in einem zehnköpfigen investigativen Ressort wie beim Bayerischen Rundfunk oder beim Spiegel unterkommen und dort die nächsten Panama Papers aufdeckst oder ob du in deinem lokalen Bereich einen journalistischen Dreh aus dem Straßennamenverzeichnis findest: Am Ende geht es doch immer um den journalistischen Riecher und das journalistische Handwerk. Du musst aus schnöden Datensätzen Geschichten heraus finden und die dann auch professionell für deine Zielgruppe aufbereiten und formulieren.

Wo du bisher vielleicht ein gutes Informantennetz hattest oder einfach nur die richtigen Fachzeitschriften gelesen hast, bietet dir Datenjournalismus eine weitere, neue Recherchebasis. Es ist eine anndere Art, Themen zu setzen. Und in neuer Form zu reagieren. Ein Musterbeispiel dafür ist Wahlberichterstattung: Die funktioniert heute bis runter auf die Gemeindeebene praktisch live und in Echtzeit. Und dann kommt die Zweitverwertung: Wenn die Wahl vorbei ist, kannst du dir aus der Masse der Daten die spannendsten Sachen rauspicken und ganz klassisch darüber berichten.

Wie funktioniert es? Das Ganze basiert meist darauf, Daten zu bekommen, einzulesen, zu analysieren und auszuwerten und am Ende aufzubereiten. Das funktioniert oft bereits mit Excel, in der Regel kommen datenjournalistisch Tätige aber um Programmierung nicht herum. Meistens wird heute Python genutzt, doch das kann sich morgen schon wieder geändert haben. Wichtig wird es aber bleiben, die erhaltenen Daten zu bewerten. Wer hat sie erhoben? Wie wurden sie erhoben? Wie hoch mag die Fehlerrate sein?

Wie kommt man an die Daten? Oft genug stehen sie öffentlich einsehbar auf einer z.B. behördlichen Website. Oder sind als Geschäftsberichte eines Unternehmens der vergangenen 10, 15, 20 Jahre im Archiv deiner Lokalzeitung. Oder du bekommst sie von einem Informanten durchgestochen. 

Du kannst aber auch offiziell bei Institutionen anfragen. Schließlich haben journalistisch Tätige einen Auskunftsanspruch gegenüber Behörden, der sich aus § 5 Grundgesetz herleitet und in den Länderpressegesetzen konkretisiert wird. Auch hat die gesamte Bevölkerung (und damit jeder journalistisch Tätige) einen Auskunftsanspruch nach den Informationsfreiheitsgesetzen des Bundes und der Länder. 

Sinnvoller ist es meistens, den Anspruch auf die Pressegesetze zu stützen. Zum einen, weil sonst manchmal ganz erhebliche Gebühren fällig werden können. Zum anderen, weil das Medienprivileg hinterher weitgehend die Einschränkungen durch die Datenschutzgrundverordnung aushebelt.

Musst du für Datenjournalismus IT-Fachkraft sein? Na ja, das meiste kannst du dir antrainieren. Aber ohne ein gewisses technisches Grundverständnis macht es vermutlich wenig Sinn. Du solltest keine Angst haben vor Zahlen und Zeilen. Und Freude daran haben, aus langweiligen Zeichenfolgen spannende Geschichten zu machen. Diese Fertigkeiten werden dir helfen:

  • Fitness in Excel, im Gruppieren von Daten und z.B. mit Pivot-Tabellen
  • Erfahrung im Bau und beim Abfragen von Datenbanken 
  • Keine Angst vor Skriptsprachen und Programmiersprachen wie Python. Wobei sich das gerade dank KI deutlich vereinfacht.
  • Grundlagenverständnis von Statistik

Für die Veröffentlichung solltest du ein neues Gefühl dafür entwickeln, wie du das Ergebnis deiner Recherche darstellst. Denn das kann, muss aber nicht mehr eine klassische Reportage sein. Programme wie Datawrapper unterstützen dich, Zahlen in interaktive Grafiken auszuspielen. Oft hilft eine digitale Landkarte. Oder ein Dashboard. Du hast es wahrscheinlich während der Covid-Pandemie kennengelernt, als die zuvor in Deutschland wenig bekannte John Hopkins Universität durch ihr Corona-Dashboard weltweite Aufmerksamkeit erlangte. 

Ist das noch Journalismus? Aber natürlich! Schon die Hypothesen erfordern eine journalistische Herangehensweise: Was interessiert? In was für eine Geschichte könnte die Recherche münden? Dann ist das Ergebnis mit journalistischem Know-how zu hinterfragen. Und am Ende geht es um die Darstellung. Und das heißt oft wieder ganz klassisch, individuelle Menschen anzusprechen und ihre Geschichten zu recherchieren, die das Ergebnis der Recherche plastisch machen.

Eine wichtige journalistische Fähigkeit ist zudem der Faktencheck: Nur mit den passenden Daten kannst du oft erkennen und aufzeigen, welche im öffentlichen Diskurs geäußerten Behauptungen sich belegen lassen und welche eben nicht. Der große Vorteil: Du kannst emotional aufgeladene Diskussionen auf faktenbasierte Beine stellen, ganz egal, ob es sich nun um Antisemititsmus oder Wärmepumpen handelt. Wo die klassische Reporterin ihre Geschichte auf Einzelfälle aufbaut, nutzt der Datenjournalismus systematische Analysen.

Wer kann Datenjournalismus brauchen? 

Datenjournalismus erfordert oft einen langen Atem. Manchmal sogar einen sehr langen Atem.

Aber er funktioniert praktisch bei den allermeisten journalistischen Themenfeldern - auch solchen, wo du das vielleicht nicht gleich erwartest. Im Sport (zB. auf Basis von Spielergebnis-Tabellen oder Spielerlisten). In der Lokalpolitik (wenn du z.B. Arbeitslosenzahlen aus deinem Landkreis analysierst). Wenn du suchst, findest du Anknüpfungspunkte auch in der Reise. Und im Feuilleton. 

So kannst du in deinem Herzensthema bleiben, findest plötzlich Themenansätze, wo du wenig oder keinen Wettbewerb hast. Und du kannst potenziellen Abnehmern etwas anbieten, was sie in der Regel selbst nicht beherrschen. 

Und wenn du mal drin bist im Datenjournalismus, bist du plötzlich gefragt auch in anderen Ressorts und Themenbereichen, kannst dich breiter aufstellen und beruflich absichern. Denn du hast jetzt ein Alleinstellungsmerkmal.

Wie kann ich starten?

Du kannst natürlich einfach so beginnen und dich mit Youtube-Online-Kursen voranbringen. Du kannst aber auch eines der zahlreichen Weiterbildungsangebote auf dem Markt nutzen. Da findest du dann oft neben dem theoretischen Zugang und dem praktischen Blick auf gute Geschichten auch andere Freie, mit denen du dich austauschen oder gleich ein gemeinsames Projekt starten kannst. Denn Datenjournalismus bedeutet praktisch immer Teamarbeit. 

Hier Aus- und Weiterblildungsanbieter mit datenjournalistischen Kursen, die zum Recherchezeitpunkt (April 2026) angeboten wurden:

  • Akademie der bayerischen Presse
  • Berliner Journalistenschule
  • Journalist:innen-Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung
  • Reporterfabrik

Viele Angebote sind für Freie über Bildungszeit, KfW oder Freiberufler-Förderprogramme förderfähig.

***


Bearbeitung: Hans Werner Rodrian
Datum und Uhrzeit: 2026-04-09 15:04:38
Inhalt der Änderung

Du hast vor Technik keine Angst, kommst mit Zahlen und Daten gut klar und bist hartnäckig bei der Recherche wie der Themensuche: Dann könnte Datenjournalismus für dich ein Thema sein. Datenjournalismus ist keine neue Form von Journalismus, sondern eine andere Form zu recherchieren und Quellen zu finden. Dieses Wissen hilft dir, neu durchzustarten in deinem guten alten Tätigkeitsfeld oder auch in neuen Themenbereichen: Versuch's doch mal mit Daten!

Die Schneehöhen in den deutschen Mittelgebirgen, eine Liste aller Straßen in Aschaffenburg, die Statistik der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland, ein fränkischer Grundwasseratlas. Langweilig? Nicht wenn du datenjournalistisch heran gehst. Der Main-Echo-Redakteur Kevin Zahn machte aus der Straßenliste z.B. eine Geschichte, dass nicht mal so viele Straßen in Aschaffenburg nach allen Frauen zusammen benannt sind als allein nach Männern mit dem Vornamen Karl. 

Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus

Klimadaten, Wirtschaftszahlen, Wahlergebnisse: Nie waren so viele Daten wie heute verfügbar. Und daraus lässt sich etwas machen. Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus – na ja, sie sind zumindest mal was anderes, als immer nur auf eine Pressekonferenz zu gehen. Und deshalb bist du normalerweise erst mal alleiniger Anbieter von Themen, die aus Datenanalysen entstehen. Es ist ein spannender Werkzeugkasten, der sich da öffnet, seit Behörden im Zug der Open Government- und Open Data-Bewegung ihre Daten-Schatzkästen öffnen und seit Open-Source-Programme und KI-Unterstützung einst superteure Analysen inzwischen auf dem Laptop ermöglichen. 

Doch ob du in einem zehnköpfigen investigativen Ressort wie beim Bayerischen Rundfunk oder beim Spiegel unterkommen und dort die nächsten Panama Papers aufdeckst oder ob du in deinem lokalen Bereich einen journalistischen Dreh aus dem Straßennamenverzeichnis findest: Am Ende geht es doch immer um den journalistischen Riecher und das journalistische Handwerk. Du musst aus schnöden Datensätzen Geschichten heraus finden und die dann auch professionell für deine Zielgruppe aufbereiten und formulieren.

Wo du bisher vielleicht ein gutes Informantennetz hattest oder einfach nur die richtigen Fachzeitschriften gelesen hast, bietet dir Datenjournalismus eine weitere, neue Recherchebasis. Es ist eine anndere Art, Themen zu setzen. Und in neuer Form zu reagieren. Ein Musterbeispiel dafür ist  Wahlberichterstattung: Die funktioniert heute bis runter auf die Gemeindeebene praktisch live und in Echtzeit. Und dann kommt die Zweitverwertung: Wenn die Wahl vorbei ist, kannst du dir aus der Masse der Daten die spannendsten Sachen rauspicken und ganz klassisch darüber berichten.

Wie funktioniert es? Das Ganze basiert meist darauf, Daten zu bekommen, einzulesen, zu analysieren und auszuwerten und am Ende aufzubereiten. Das funktioniert oft bereits mit Excel, in der Regel kommen datenjournalistisch Tätige aber um Programmierung nicht herum. Meistens wird heute Python genutzt, doch das kann sich morgen schon wieder geändert haben. Wichtig wird es aber bleiben, die erhaltenen Daten zu bewerten. Wer hat sie erhoben? Wie wurden sie erhoben? Wie hoch mag die Fehlerrate sein?

Wie kommt man an die Daten? Oft genug stehen sie öffentlich einsehbar auf einer z.B. behördlichen Website. Oder sind als Geschäftsberichte eines Unternehmens der vergangenen 10, 15, 20 Jahre im Archiv deiner Lokalzeitung. Oder du bekommst sie von einem Informanten durchgestochen. 

Du kannst aber auch offiziell bei Institutionen anfragen. Schließlich haben journalistisch Tätige einen Auskunftsanspruch gegenüber Behörden, der sich aus § 5 Grundgesetz herleitet und in den Länderpressegesetzen konkretisiert wird. Auch hat die gesamte Bevölkerung (und damit jeder journalistisch Tätige) einen Auskunftsanspruch nach den Informationsfreiheitsgesetzen des Bundes und der Länder.    

Sinnvoller ist es meistens, den Anspruch auf die Pressegesetze zu stützen. Zum einen, weil sonst manchmal ganz erhebliche Gebühren fällig werden können. Zum anderen, weil das Medienprivileg hinterher weitgehend die Einschränkungen durch die Datenschutzgrundverordnung aushebelt.

Musst du für Datenjournalismus IT-Fachkraft sein? Na ja, das meiste kannst du dir antrainieren. Aber ohne ein gewisses technisches Grundverständnis macht es vermutlich wenig Sinn. Du solltest keine Angst haben vor Zahlen und Zeilen. Und Freude daran haben, aus langweiligen Zeichenfolgen spannende Geschichten zu machen. Diese Fertigkeiten werden dir helfen:

  • Fitness in Excel, im Gruppieren von Daten und z.B. mit Pivot-Tabellen
  • Erfahrung im Bau und beim Abfragen von Datenbanken 
  • Keine Angst vor Skriptsprachen und Programmiersprachen wie Python. Wobei sich das gerade dank KI deutlich vereinfacht.
  • Grundlagenverständnis von Statistik

Für die Veröffentlichung solltest du ein neues Gefühl dafür entwickeln, wie du das Ergebnis deiner Recherche darstellst. Denn das kann, muss aber nicht mehr eine klassische Reportage sein.  Programme wie Datawrapper unterstützen dich, Zahlen in interaktive Grafiken auszuspielen. Oft hilft eine digitale Landkarte. Oder ein Dashboard. Du hast es wahrscheinlich während der Covid-Pandemie kennengelernt, als die zuvor in Deutschland wenig bekannte John Hopkins Universität durch ihr Corona-Dashboard weltweite Aufmerksamkeit erlangte. 

Ist das noch Journalismus? Aber natürlich! Schon die Hypothesen erfordern eine journalistische Herangehensweise: Was interessiert? In was für eine Geschichte könnte die Recherche münden? Dann ist das Ergebnis mit journalistischem Know-how zu hinterfragen. Und am Ende geht es um die Darstellung. Und das heißt oft wieder ganz klassisch, individuelle Menschen anzusprechen und ihre Geschichten zu recherchieren, die das Ergebnis der Recherche plastisch machen.

Eine wichtige journalistische Fähigkeit ist zudem der Faktencheck: Nur mit den passenden Daten kannst du oft erkennen und aufzeigen, welche im öffentlichen Diskurs geäußerten Behauptungen sich belegen lassen und welche eben nicht. Der große Vorteil: Du kannst emotional aufgeladene Diskussionen auf faktenbasierte Beine stellen, ganz egal, ob es sich nun um Antisemititsmus oder Wärmepumpen handelt. Wo die klassische Reporterin ihre Geschichte auf Einzelfälle aufbaut, nutzt der Datenjournalismus systematische Analysen.

Wer kann Datenjournalismus brauchen?   

Datenjournalismus erfordert oft einen langen Atem. Manchmal sogar einen sehr langen Atem.

Aber er funktioniert praktisch bei den allermeisten journalistischen Themenfeldern - auch solchen, wo du das vielleicht nicht gleich erwartest. Im Sport (zB. auf Basis von Spielergebnis-Tabellen oder Spielerlisten). In der Lokalpolitik (wenn du z.B. Arbeitslosenzahlen aus deinem Landkreis analysierst). Wenn du suchst, findest du Anknüpfungspunkte auch in der Reise. Und im Feuilleton. 

So kannst du in deinem Herzensthema bleiben, findest plötzlich Themenansätze, wo du wenig oder keinen Wettbewerb hast. Und du kannst potenziellen Abnehmern etwas anbieten, was sie in der Regel selbst nicht beherrschen. 

Und wenn du mal drin bist im Datenjournalismus, bist du plötzlich gefragt auch in anderen Ressorts und Themenbereichen, kannst dich breiter aufstellen und beruflich absichern. Denn du hast jetzt ein Alleinstellungsmerkmal.

Wie kann ich starten?

Du kannst natürlich einfach so beginnen und dich mit Youtube-Online-Kursen voranbringen. Du kannst aber auch eines der zahlreichen Weiterbildungsangebote auf dem Markt nutzen. Da findest du dann oft neben dem theoretischen Zugang und dem praktischen Blick auf gute Geschichten auch andere Freie, mit denen du dich austauschen oder gleich ein gemeinsames Projekt starten kannst. Denn Datenjournalismus bedeutet praktisch immer Teamarbeit. 

Hier Aus- und Weiterblildungsanbieter mit datenjournalistischen Kursen, die zum Recherchezeitpunkt (April 2026) angeboten wurden:

  • Akademie der bayerischen Presse
  • Berliner Journalistenschule
  • Journalist:innen-Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung
  • Reporterfabrik

Viele Angebote sind für Freie über Bildungszeit, KfW oder Freiberufler-Förderprogramme förderfähig.

***


Bearbeitung: Hans Werner Rodrian
Datum und Uhrzeit: 2026-04-09 15:03:31
Inhalt der Änderung

Du hast vor Technik keine Angst, kommst mit Zahlen und Daten gut klar und bist hartnäckig bei der Recherche wie der Themensuche: Dann könnte Datenjournalismus für dich ein Thema sein. Datenjournalismus ist keine neue Form von Journalismus, sondern eine andere Form zu recherchieren und Quellen zu finden. Dieses Wissen hilft dir, neu durchzustarten in deinem guten alten Tätigkeitsfeld oder auch in neuen Themenbereichen: Versuch's doch mal mit Daten!

Die Schneehöhen in den deutschen Mittelgebirgen, eine Liste aller Straßen in Aschaffenburg, die Statistik der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland, ein fränkischer Grundwasseratlas. Langweilig? Nicht wenn du datenjournalistisch heran gehst. Der Main-Echo-Redakteur Kevin Zahn machte aus der Straßenliste z.B. eine Geschichte, dass nicht mal so viele Straßen in Aschaffenburg nach allen Frauen zusammen benannt sind als allein nach Männern mit dem Vornamen Karl. 

Klimadaten, Wirtschaftszahlen, Wahlergebnisse: Nie waren so viele Daten wie heute verfügbar. Und daraus lässt sich etwas machen. Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus – na ja, sie sind zumindest mal was anderes, als immer nur auf eine Pressekonferenz zu gehen. Und deshalb bist du normalerweise erst mal alleiniger Anbieter von Themen, die aus Datenanalysen entstehen. Es ist ein spannender Werkzeugkasten, der sich da öffnet, seit Behörden im Zug der Open Government- und Open Data-Bewegung ihre Daten-Schatzkästen öffnen und seit Open-Source-Programme und KI-Unterstützung einst superteure Analysen inzwischen auf dem Laptop ermöglichen. 

Doch ob du in einem zehnköpfigen investigativen Ressort wie beim Bayerischen Rundfunk oder beim Spiegel unterkommen und dort die nächsten Panama Papers aufdeckst oder ob du in deinem lokalen Bereich einen journalistischen Dreh aus dem Straßennamenverzeichnis findest: Am Ende geht es doch immer um den journalistischen Riecher und das journalistische Handwerk. Du musst aus schnöden Datensätzen Geschichten heraus finden und die dann auch professionell für deine Zielgruppe aufbereiten und formulieren.

Wo du bisher vielleicht ein gutes Informantennetz hattest oder einfach nur die richtigen Fachzeitschriften gelesen hast, bietet dir Datenjournalismus eine weitere, neue Recherchebasis. Es ist eine anndere Art, Themen zu setzen. Und in neuer Form zu reagieren. Ein Musterbeispiel dafür ist  Wahlberichterstattung: Die funktioniert heute bis runter auf die Gemeindeebene praktisch live und in Echtzeit. Und dann kommt die Zweitverwertung: Wenn die Wahl vorbei ist, kannst du dir aus der Masse der Daten die spannendsten Sachen rauspicken und ganz klassisch darüber berichten.

Wie funktioniert es? Das Ganze basiert meist darauf, Daten zu bekommen, einzulesen, zu analysieren und auszuwerten und am Ende aufzubereiten. Das funktioniert oft bereits mit Excel, in der Regel kommen datenjournalistisch Tätige aber um Programmierung nicht herum. Meistens wird heute Python genutzt, doch das kann sich morgen schon wieder geändert haben. Wichtig wird es aber bleiben, die erhaltenen Daten zu bewerten. Wer hat sie erhoben? Wie wurden sie erhoben? Wie hoch mag die Fehlerrate sein?

Wie kommt man an die Daten? Oft genug stehen sie öffentlich einsehbar auf einer z.B. behördlichen Website. Oder sind als Geschäftsberichte eines Unternehmens der vergangenen 10, 15, 20 Jahre im Archiv deiner Lokalzeitung. Oder du bekommst sie von einem Informanten durchgestochen. 

Du kannst aber auch offiziell bei Institutionen anfragen. Schließlich haben journalistisch Tätige einen Auskunftsanspruch gegenüber Behörden, der sich aus § 5 Grundgesetz herleitet und in den Länderpressegesetzen konkretisiert wird. Auch hat die gesamte Bevölkerung (und damit jeder journalistisch Tätige) einen Auskunftsanspruch nach den Informationsfreiheitsgesetzen des Bundes und der Länder.    

Sinnvoller ist es meistens, den Anspruch auf die Pressegesetze zu stützen. Zum einen, weil sonst manchmal ganz erhebliche Gebühren fällig werden können. Zum anderen, weil das Medienprivileg hinterher weitgehend die Einschränkungen durch die Datenschutzgrundverordnung aushebelt.

Musst du für Datenjournalismus IT-Fachkraft sein? Na ja, das meiste kannst du dir antrainieren. Aber ohne ein gewisses technisches Grundverständnis macht es vermutlich wenig Sinn. Du solltest keine Angst haben vor Zahlen und Zeilen. Und Freude daran haben, aus langweiligen Zeichenfolgen spannende Geschichten zu machen. Diese Fertigkeiten werden dir helfen:

  • Fitness in Excel, im Gruppieren von Daten und z.B. mit Pivot-Tabellen
  • Erfahrung im Bau und beim Abfragen von Datenbanken 
  • Keine Angst vor Skriptsprachen und Programmiersprachen wie Python. Wobei sich das gerade dank KI deutlich vereinfacht.
  • Grundlagenverständnis von Statistik

Für die Veröffentlichung solltest du ein neues Gefühl dafür entwickeln, wie du das Ergebnis deiner Recherche darstellst. Denn das kann, muss aber nicht mehr eine klassische Reportage sein.  Programme wie Datawrapper unterstützen dich, Zahlen in interaktive Grafiken auszuspielen. Oft hilft eine digitale Landkarte. Oder ein Dashboard. Du hast es wahrscheinlich während der Covid-Pandemie kennengelernt, als die zuvor in Deutschland wenig bekannte John Hopkins Universität durch ihr Corona-Dashboard weltweite Aufmerksamkeit erlangte. 

Ist das noch Journalismus? Aber natürlich! Schon die Hypothesen erfordern eine journalistische Herangehensweise: Was interessiert? In was für eine Geschichte könnte die Recherche münden? Dann ist das Ergebnis mit journalistischem Know-how zu hinterfragen. Und am Ende geht es um die Darstellung. Und das heißt oft wieder ganz klassisch, individuelle Menschen anzusprechen und ihre Geschichten zu recherchieren, die das Ergebnis der Recherche plastisch machen.

Eine wichtige journalistische Fähigkeit ist zudem der Faktencheck: Nur mit den passenden Daten kannst du oft erkennen und aufzeigen, welche im öffentlichen Diskurs geäußerten Behauptungen sich belegen lassen und welche eben nicht. Der große Vorteil: Du kannst emotional aufgeladene Diskussionen auf faktenbasierte Beine stellen, ganz egal, ob es sich nun um Antisemititsmus oder Wärmepumpen handelt. Wo die klassische Reporterin ihre Geschichte auf Einzelfälle aufbaut, nutzt der Datenjournalismus systematische Analysen.

Wer kann Datenjournalismus brauchen?   

Datenjournalismus erfordert oft einen langen Atem. Manchmal sogar einen sehr langen Atem.

Aber er funktioniert praktisch bei den allermeisten journalistischen Themenfeldern - auch solchen, wo du das vielleicht nicht gleich erwartest. Im Sport (zB. auf Basis von Spielergebnis-Tabellen oder Spielerlisten). In der Lokalpolitik (wenn du z.B. Arbeitslosenzahlen aus deinem Landkreis analysierst). Wenn du suchst, findest du Anknüpfungspunkte auch in der Reise. Und im Feuilleton. 

So kannst du in deinem Herzensthema bleiben, findest plötzlich Themenansätze, wo du wenig oder keinen Wettbewerb hast. Und du kannst potenziellen Abnehmern etwas anbieten, was sie in der Regel selbst nicht beherrschen. 

Und wenn du mal drin bist im Datenjournalismus, bist du plötzlich gefragt auch in anderen Ressorts und Themenbereichen, kannst dich breiter aufstellen und beruflich absichern. Denn du hast jetzt ein Alleinstellungsmerkmal.

Wie kann ich starten?

Du kannst natürlich einfach so beginnen und dich mit Youtube-Online-Kursen voranbringen. Du kannst aber auch eines der zahlreichen Weiterbildungsangebote auf dem Markt nutzen. Da findest du dann oft neben dem theoretischen Zugang und dem praktischen Blick auf gute Geschichten auch andere Freie, mit denen du dich austauschen oder gleich ein gemeinsames Projekt starten kannst. Denn Datenjournalismus bedeutet praktisch immer Teamarbeit. 

Hier Aus- und Weiterblildungsanbieter mit datenjournalistischen Kursen, die zum Recherchezeitpunkt (April 2026) angeboten wurden:

  • Akademie der bayerischen Presse
  • Berliner Journalistenschule
  • Journalist:innen-Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung
  • Reporterfabrik

Viele Angebote sind für Freie über Bildungszeit, KfW oder Freiberufler-Förderprogramme förderfähig.

***


Bearbeitung: Hans Werner Rodrian
Datum und Uhrzeit: 2026-04-09 15:00:15
Inhalt der Änderung

Du hast vor Technik keine Angst, kommst mit Zahlen und Daten gut klar und bist hartnäckig bei der Recherche wie der Themensuche: Dann könnte Datenjournalismus für dich ein Thema sein. Datenjournalismus ist keine neue Form von Journalismus, sondern eine andere Form zu recherchieren und Quellen zu finden. Dieses Wissen hilft dir, neu durchzustarten in deinem guten alten Tätigkeitsfeld oder auch in neuen Themenbereichen: Versuch's doch mal mit Daten!

Die Schneehöhen in den deutschen Mittelgebirgen, eine Liste aller Straßen in Aschaffenburg, die Statistik der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland, ein fränkischer Grundwasseratlas. Langweilig? Nicht wenn du datenjournalistisch heran gehst. Der Main-Echo-Redakteur Kevin Zahn machte aus der Straßenliste z.B. eine Geschichte, dass nicht mal so viele Straßen in Aschaffenburg nach allen Frauen zusammen benannt sind als allein nach Männern mit dem Vornamen Karl. 

Klimadaten, Wirtschaftszahlen, Wahlergebnisse: Nie waren so viele Daten wie heute verfügbar. Und daraus lässt sich etwas machen. Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus – na ja, sie sind zumindest mal was anderes, als immer nur auf eine Pressekonferenz zu gehen. Und deshalb bist du normalerweise erst mal alleiniger Anbieter von Themen, die aus Datenanalysen entstehen. Es ist ein spannender Werkzeugkasten, der sich da öffnet, seit Behörden im Zug der Open Government- und Open Data-Bewegung ihre Daten-Schatzkästen öffnen und seit Open-Source-Programme und KI-Unterstützung einst superteure Analysen inzwischen auf dem Laptop ermöglichen. 

Doch ob du in einem zehnköpfigen investigativen Ressort wie beim Bayerischen Rundfunk oder beim Spiegel unterkommen und dort die nächsten Panama Papers aufdeckst oder ob du in deinem lokalen Bereich einen journalistischen Dreh aus dem Straßennamenverzeichnis findest: Am Ende geht es doch immer um den journalistischen Riecher und das journalistische Handwerk. Du musst aus schnöden Datensätzen Geschichten heraus finden und die dann auch professionell für deine Zielgruppe aufbereiten und formulieren.

Wo du bisher vielleicht ein gutes Informantennetz hattest oder einfach nur die richtigen Fachzeitschriften gelesen hast, bietet dir Datenjournalismus eine weitere, neue Recherchebasis. Es ist eine anndere Art, Themen zu setzen. Und in neuer Form zu reagieren. Ein Musterbeispiel dafür ist  Wahlberichterstattung: Die funktioniert heute bis runter auf die Gemeindeebene praktisch live und in Echtzeit. Und dann kommt die Zweitverwertung: Wenn die Wahl vorbei ist, kannst du dir aus der Masse der Daten die spannendsten Sachen rauspicken und ganz klassisch darüber berichten.

Wie funktioniert es? Das Ganze basiert meist darauf, Daten zu bekommen, einzulesen, zu analysieren und auszuwerten und am Ende aufzubereiten. Das funktioniert oft bereits mit Excel, in der Regel kommen datenjournalistisch Tätige aber um Programmierung nicht herum. Meistens wird heute Python genutzt, doch das kann sich morgen schon wieder geändert haben. Wichtig wird es aber bleiben, die erhaltenen Daten zu bewerten. Wer hat sie erhoben? Wie wurden sie erhoben? Wie hoch mag die Fehlerrate sein?

Wie kommt man an die Daten? Oft genug stehen sie öffentlich einsehbar auf einer z.B. behördlichen Website. Oder sind als Geschäftsberichte eines Unternehmens der vergangenen 10, 15, 20 Jahre im Archiv deiner Lokalzeitung. Oder du bekommst sie von einem Informanten durchgestochen. 

Du kannst aber auch offiziell bei Institutionen anfragen. Schließlich haben journalistisch Tätige einen Auskunftsanspruch gegenüber Behörden, der sich aus § 5 Grundgesetz herleitet und in den Länderpressegesetzen konkretisiert wird. Auch hat die gesamte Bevölkerung (und damit jeder journalistisch Tätige) einen Auskunftsanspruch nach den Informationsfreiheitsgesetzen des Bundes und der Länder.    

Sinnvoller ist es meistens, den Anspruch auf die Pressegesetze zu stützen. Zum einen, weil sonst manchmal ganz erhebliche Gebühren fällig werden können. Zum anderen, weil das Medienprivileg hinterher weitgehend die Einschränkungen durch die Datenschutzgrundverordnung aushebelt.

Musst du für Datenjournalismus IT-Fachkraft sein? Na ja, das meiste kannst du dir antrainieren. Aber ohne ein gewisses technisches Grundverständnis macht es vermutlich wenig Sinn. Du solltest keine Angst haben vor Zahlen und Zeilen. Und Freude daran haben, aus langweiligen Zeichenfolgen spannende Geschichten zu machen. Diese Fertigkeiten werden dir helfen:

  • Fitness in Excel, im Gruppieren von Daten und z.B. mit Pivot-Tabellen
  • Erfahrung im Bau und beim Abfragen von Datenbanken 
  • Keine Angst vor Skriptsprachen und Programmiersprachen wie Python. Wobei sich das gerade dank KI deutlich vereinfacht.
  • Grundlagenverständnis von Statistik

Für die Veröffentlichung solltest du ein neues Gefühl dafür entwickeln, wie du das Ergebnis deiner Recherche darstellst. Denn das kann, muss aber nicht mehr eine klassische Reportage sein.  Programme wie Datawrapper unterstützen dich, Zahlen in interaktive Grafiken auszuspielen. Oft hilft eine digitale Landkarte. Oder ein Dashboard. Du hast es wahrscheinlich während der Covid-Pandemie kennengelernt, als die zuvor in Deutschland wenig bekannte John Hopkins Universität durch ihr Corona-Dashboard weltweite Aufmerksamkeit erlangte. 

Ist das noch Journalismus? Aber natürlich! Schon die Hypothesen erfordern eine journalistische Herangehensweise: Was interessiert? In was für eine Geschichte könnte die Recherche münden? Dann ist das Ergebnis mit journalistischem Know-how zu hinterfragen. Und am Ende geht es um die Darstellung. Und das heißt oft wieder ganz klassisch, individuelle Menschen anzusprechen und ihre Geschichten zu recherchieren, die das Ergebnis der Recherche plastisch machen.

Eine wichtige journalistische Fähigkeit ist zudem der Faktencheck: Nur mit den passenden Daten kannst du oft erkennen und aufzeigen, welche im öffentlichen Diskurs geäußerten Behauptungen sich belegen lassen und welche eben nicht. Der große Vorteil: Du kannst emotional aufgeladene Diskussionen auf faktenbasierte Beine stellen, ganz egal, ob es sich nun um Antisemititsmus oder Wärmepumpen handelt. Wo die klassische Reporterin ihre Geschichte auf Einzelfälle aufbaut, nutzt der Datenjournalismus systematische Analysen.

Wer kann Datenjournalismus brauchen?   

Datenjournalismus erfordert oft einen langen Atem. Manchmal sogar einen sehr langen Atem.

Aber er funktioniert praktisch bei den allermeisten journalistischen Themenfeldern - auch solchen, wo du das vielleicht nicht gleich erwartest. Im Sport (zB. auf Basis von Spielergebnis-Tabellen oder Spielerlisten). In der Lokalpolitik (wenn du z.B. Arbeitslosenzahlen aus deinem Landkreis analysierst). Wenn du suchst, findest du Anknüpfungspunkte auch in der Reise. Und im Feuilleton. 

So kannst du in deinem Herzensthema bleiben, findest plötzlich Themenansätze, wo du wenig oder keinen Wettbewerb hast. Und du kannst potenziellen Abnehmern etwas anbieten, was sie in der Regel selbst nicht beherrschen. 

Und wenn du mal drin bist im Datenjournalismus, bist du plötzlich gefragt auch in anderen Ressorts und Themenbereichen, kannst dich breiter aufstellen und beruflich absichern. Denn du hast jetzt ein Alleinstellungsmerkmal.

Wie kann ich starten?

Du kannst natürlich einfach so beginnen und dich mit Youtube-Online-Kursen voranbringen. Du kannst aber auch eines der zahlreichen Weiterbildungsangebote auf dem Markt nutzen. Da findest du dann oft neben dem theoretischen Zugang und dem praktischen Blick auf gute Geschichten auch andere Freie, mit denen du dich austauschen oder gleich ein gemeinsames Projekt starten kannst. Denn Datenjournalismus bedeutet praktisch immer Teamarbeit. 

Hier Aus- und Weiterblildungsanbieter mit datenjournalistischen Kursen, die zum Recherchezeitpunkt (April 2026) angeboten wurden:

  • Akademie der bayerischen Presse
  • Berliner Journalistenschule
  • Journalist:innen-Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung
  • Reporterfabrik

Viele Angebote sind für Freie über Bildungszeit, KfW oder Freiberufler-Förderprogramme förderfähig.


Bearbeitung: Hans Werner Rodrian
Datum und Uhrzeit: 2026-04-09 14:59:15
Inhalt der Änderung

Du hast vor Technik keine Angst, kommst mit Zahlen und Daten gut klar und bist hartnäckig bei der Recherche wie der Themensuche: Dann könnte Datenjournalismus für dich ein Thema sein. Datenjournalismus ist keine neue Form von Journalismus, sondern eine andere Form zu recherchieren und Quellen zu finden. Dieses Wissen hilft dir, neu durchzustarten in deinem guten alten Tätigkeitsfeld oder auch in neuen Themenbereichen: Versuch's doch mal mit Daten!

Die Schneehöhen in den deutschen Mittelgebirgen, eine Liste aller Straßen in Aschaffenburg, die Statistik der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland, ein fränkischer Grundwasseratlas. Langweilig? Nicht wenn du datenjournalistisch heran gehst. Der Main-Echo-Redakteur Kevin Zahn machte aus der Straßenliste z.B. eine Geschichte, dass nicht mal so viele Straßen in Aschaffenburg nach allen Frauen zusammen benannt sind als allein nach Männern mit dem Vornamen Karl. 

Klimadaten, Wirtschaftszahlen, Wahlergebnisse: Nie waren so viele Daten wie heute verfügbar. Und daraus lässt sich etwas machen. Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus – na ja, sie sind zumindest mal was anderes, als immer nur auf eine Pressekonferenz zu gehen. Und deshalb bist du normalerweise erst mal alleiniger Anbieter von Themen, die aus Datenanalysen entstehen. Es ist ein spannender Werkzeugkasten, der sich da öffnet, seit Behörden im Zug der Open Government- und Open Data-Bewegung ihre Daten-Schatzkästen öffnen und seit Open-Source-Programme und KI-Unterstützung einst superteure Analysen inzwischen auf dem Laptop ermöglichen. 

Doch ob du in einem zehnköpfigen investigativen Ressort wie beim Bayerischen Rundfunk oder beim Spiegel unterkommen und dort die nächsten Panama Papers aufdeckst oder ob du in deinem lokalen Bereich einen journalistischen Dreh aus dem Straßennamenverzeichnis findest: Am Ende geht es doch immer um den journalistischen Riecher und das journalistische Handwerk. Du musst aus schnöden Datensätzen Geschichten heraus finden und die dann auch professionell für deine Zielgruppe aufbereiten und formulieren.

Wo du bisher vielleicht ein gutes Informantennetz hattest oder einfach nur die richtigen Fachzeitschriften gelesen hast, bietet dir Datenjournalismus eine weitere, neue Recherchebasis. Es ist eine anndere Art, Themen zu setzen. Und in neuer Form zu reagieren. Ein Musterbeispiel dafür ist  Wahlberichterstattung: Die funktioniert heute bis runter auf die Gemeindeebene praktisch live und in Echtzeit. Und dann kommt die Zweitverwertung: Wenn die Wahl vorbei ist, kannst du dir aus der Masse der Daten die spannendsten Sachen rauspicken und ganz klassisch darüber berichten.

Wie funktioniert es? Das Ganze basiert meist darauf, Daten zu bekommen, einzulesen, zu analysieren und auszuwerten und am Ende aufzubereiten. Das funktioniert oft bereits mit Excel, in der Regel kommen datenjournalistisch Tätige aber um Programmierung nicht herum. Meistens wird heute Python genutzt, doch das kann sich morgen schon wieder geändert haben. Wichtig wird es aber bleiben, die erhaltenen Daten zu bewerten. Wer hat sie erhoben? Wie wurden sie erhoben? Wie hoch mag die Fehlerrate sein?

Wie kommt man an die Daten? Oft genug stehen sie öffentlich einsehbar auf einer z.B. behördlichen Website. Oder sind als Geschäftsberichte eines Unternehmens der vergangenen 10, 15, 20 Jahre im Archiv deiner Lokalzeitung. Oder du bekommst sie von einem Informanten durchgestochen. 

Du kannst aber auch offiziell bei Institutionen anfragen. Schließlich haben journalistisch Tätige einen Auskunftsanspruch gegenüber Behörden, der sich aus § 5 Grundgesetz herleitet und in den Länderpressegesetzen konkretisiert wird. Auch hat die gesamte Bevölkerung (und damit jeder journalistisch Tätige) einen Auskunftsanspruch nach den Informationsfreiheitsgesetzen des Bundes und der Länder.    

Sinnvoller ist es meistens, den Anspruch auf die Pressegesetze zu stützen. Zum einen, weil sonst manchmal ganz erhebliche Gebühren fällig werden können. Zum anderen, weil das Medienprivileg hinterher weitgehend die Einschränkungen durch die Datenschutzgrundverordnung aushebelt.

Musst du für Datenjournalismus IT-Fachkraft sein? Na ja, das meiste kannst du dir antrainieren. Aber ohne ein gewisses technisches Grundverständnis macht es vermutlich wenig Sinn. Du solltest keine Angst haben vor Zahlen und Zeilen. Und Freude daran haben, aus langweiligen Zeichenfolgen spannende Geschichten zu machen. Diese Fertigkeiten werden dir helfen:

  • Fitness in Excel, im Gruppieren von Daten und z.B. mit Pivot-Tabellen
  • Erfahrung im Bau und beim Abfragen von Datenbanken 
  • Keine Angst vor Skriptsprachen und Programmiersprachen wie Python. Wobei sich das gerade dank KI deutlich vereinfacht.
  • Grundlagenverständnis von Statistik

Für die Veröffentlichung solltest du ein neues Gefühl dafür entwickeln, wie du das Ergebnis deiner Recherche darstellst. Denn das kann, muss aber nicht mehr eine klassische Reportage sein.  Programme wie Datawrapper unterstützen dich, Zahlen in interaktive Grafiken auszuspielen. Oft hilft eine digitale Landkarte. Oder ein Dashboard. Du hast es wahrscheinlich während der Covid-Pandemie kennengelernt, als die zuvor in Deutschland wenig bekannte John Hopkins Universität durch ihr Corona-Dashboard weltweite Aufmerksamkeit erlangte. 

Ist das noch Journalismus? Aber natürlich! Schon die Hypothesen erfordern eine journalistische Herangehensweise: Was interessiert? In was für eine Geschichte könnte die Recherche münden? Dann ist das Ergebnis mit journalistischem Know-how zu hinterfragen. Und am Ende geht es um die Darstellung. Und das heißt oft wieder ganz klassisch, individuelle Menschen anzusprechen und ihre Geschichten zu recherchieren, die das Ergebnis der Recherche plastisch machen.

Eine wichtige journalistische Fähigkeit ist zudem der Faktencheck: Nur mit den passenden Daten kannst du oft erkennen und aufzeigen, welche im öffentlichen Diskurs geäußerten Behauptungen sich belegen lassen und welche eben nicht. Der große Vorteil: Du kannst emotional aufgeladene Diskussionen auf faktenbasierte Beine stellen, ganz egal, ob es sich nun um Antisemititsmus oder Wärmepumpen handelt. Wo die klassische Reporterin ihre Geschichte auf Einzelfälle aufbaut, nutzt der Datenjournalismus systematische Analysen.

Wer kann Datenjournalismus brauchen?   

Datenjournalismus erfordert oft einen langen Atem. Manchmal sogar einen sehr langen Atem.

Aber er funktioniert praktisch bei den allermeisten journalistischen Themenfeldern - auch solchen, wo du das vielleicht nicht gleich erwartest. Im Sport (zB. auf Basis von Spielergebnis-Tabellen oder Spielerlisten). In der Lokalpolitik (wenn du z.B. Arbeitslosenzahlen aus deinem Landkreis analysierst). Wenn du suchst, findest du Anknüpfungspunkte auch in der Reise. Und im Feuilleton. 

So kannst du in deinem Herzensthema bleiben, findest plötzlich Themenansätze, wo du wenig oder keinen Wettbewerb hast. Und du kannst potenziellen Abnehmern etwas anbieten, was sie in der Regel selbst nicht beherrschen. 

Und wenn du mal drin bist im Datenjournalismus, bist du plötzlich gefragt auch in anderen Ressorts und Themenbereichen, kannst dich breiter aufstellen und beruflich absichern. Denn du hast jetzt ein Alleinstellungsmerkmal.

Wie kann ich starten?

Du kannst natürlich einfach so beginnen und dich mit Youtube-Online-Kursen voranbringen. Du kannst aber auch eines der zahlreichen Weiterbildungsangebote auf dem Markt nutzen. Da findest du dann oft neben dem theoretischen Zugang und dem praktischen Blick auf gute Geschichten auch andere Freie, mit denen du dich austauschen oder gleich ein gemeinsames Projekt starten kannst. Denn Datenjournalismus bedeutet praktisch immer Teamarbeit. 

Hier Aus- und Weiterblildungsanbieter mit datenjournalistischen Kursen, die zum Recherchezeitpunkt (April 2026) angeboten wurden:

Akademie der bayerischen Presse

Berliner Journalistenschule

Journalist:innen-Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung

Reporterfabrik

Viele Angebote sind für Freie über Bildungszeit, KfW oder Freiberufler-Förderprogramme förderfähig.


Bearbeitung: Hans Werner Rodrian
Datum und Uhrzeit: 2026-04-09 14:56:35
Inhalt der Änderung

Du hast vor Technik keine Angst, kommst mit Zahlen und Daten gut klar und bist hartnäckig bei der Recherche wie der Themensuche: Dann könnte Datenjournalismus für dich ein Thema sein. Datenjournalismus ist keine neue Form von Journalismus, sondern eine andere Form zu recherchieren und Quellen zu finden. Dieses Wissen hilft dir, neu durchzustarten in deinem guten alten Tätigkeitsfeld oder auch in neuen Themenbereichen: Versuch's doch mal mit Daten!

Die Schneehöhen in den deutschen Mittelgebirgen, eine Liste aller Straßen in Aschaffenburg, die Statistik der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland, ein fränkischer Grundwasseratlas. Langweilig? Nicht wenn du datenjournalistisch heran gehst. Der Main-Echo-Redakteur Kevin Zahn machte aus der Straßenliste z.B. eine Geschichte, dass nicht mal so viele Straßen in Aschaffenburg nach allen Frauen zusammen benannt sind als allein nach Männern mit dem Vornamen Karl. 

Klimadaten, Wirtschaftszahlen, Wahlergebnisse: Nie waren so viele Daten wie heute verfügbar. Und daraus lässt sich etwas machen. Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus – na ja, sie sind zumindest mal was anderes, als immer nur auf eine Pressekonferenz zu gehen. Und deshalb bist du normalerweise erst mal alleiniger Anbieter von Themen, die aus Datenanalysen entstehen. Es ist ein spannender Werkzeugkasten, der sich da öffnet, seit Behörden im Zug der Open Government- und Open Data-Bewegung ihre Daten-Schatzkästen öffnen und seit Open-Source-Programme und KI-Unterstützung einst superteure Analysen inzwischen auf dem Laptop ermöglichen. 

Doch ob du in einem zehnköpfigen investigativen Ressort wie beim Bayerischen Rundfunk oder beim Spiegel unterkommen und dort die nächsten Panama Papers aufdeckst oder ob du in deinem lokalen Bereich einen journalistischen Dreh aus dem Straßennamenverzeichnis findest: Am Ende geht es doch immer um den journalistischen Riecher und das journalistische Handwerk. Du musst aus schnöden Datensätzen Geschichten heraus finden und die dann auch professionell für deine Zielgruppe aufbereiten und formulieren.

Wo du bisher vielleicht ein gutes Informantennetz hattest oder einfach nur die richtigen Fachzeitschriften gelesen hast, bietet dir Datenjournalismus eine weitere, neue Recherchebasis. Es ist eine anndere Art, Themen zu setzen. Und in neuer Form zu reagieren. Ein Musterbeispiel dafür ist  Wahlberichterstattung: Die funktioniert heute bis runter auf die Gemeindeebene praktisch live und in Echtzeit. Und dann kommt die Zweitverwertung: Wenn die Wahl vorbei ist, kannst du dir aus der Masse der Daten die spannendsten Sachen rauspicken und ganz klassisch darüber berichten.

Wie funktioniert es? Das Ganze basiert meist darauf, Daten zu bekommen, einzulesen, zu analysieren und auszuwerten und am Ende aufzubereiten. Das funktioniert oft bereits mit Excel, in der Regel kommen datenjournalistisch Tätige aber um Programmierung nicht herum. Meistens wird heute Python genutzt, doch das kann sich morgen schon wieder geändert haben. Wichtig wird es aber bleiben, die erhaltenen Daten zu bewerten. Wer hat sie erhoben? Wie wurden sie erhoben? Wie hoch mag die Fehlerrate sein?

Wie kommt man an die Daten? Oft genug stehen sie öffentlich einsehbar auf einer z.B. behördlichen Website. Oder sind als Geschäftsberichte eines Unternehmens der vergangenen 10, 15, 20 Jahre im Archiv deiner Lokalzeitung. Oder du bekommst sie von einem Informanten durchgestochen. 

Du kannst aber auch offiziell bei Institutionen anfragen. Schließlich haben journalistisch Tätige einen Auskunftsanspruch gegenüber Behörden, der sich aus § 5 Grundgesetz herleitet und in den Länderpressegesetzen konkretisiert wird. Auch hat die gesamte Bevölkerung (und damit jeder journalistisch Tätige) einen Auskunftsanspruch nach den Informationsfreiheitsgesetzen des Bundes und der Länder.    

Sinnvoller ist es meistens, den Anspruch auf die Pressegesetze zu stützen. Zum einen, weil sonst manchmal ganz erhebliche Gebühren fällig werden können. Zum anderen, weil das Medienprivileg hinterher weitgehend die Einschränkungen durch die Datenschutzgrundverordnung aushebelt.

Musst du für Datenjournalismus IT-Fachkraft sein? Na ja, das meiste kannst du dir antrainieren. Aber ohne ein gewisses technisches Grundverständnis macht es vermutlich wenig Sinn. Du solltest keine Angst haben vor Zahlen und Zeilen. Und Freude daran haben, aus langweiligen Zeichenfolgen spannende Geschichten zu machen. Diese Fertigkeiten werden dir helfen:

  • Fitness in Excel, im Gruppieren von Daten und z.B. mit Pivot-Tabellen
  • Erfahrung im Bau und beim Abfragen von Datenbanken 
  • Keine Angst vor Skriptsprachen und Programmiersprachen wie Python. Wobei sich das gerade dank KI deutlich vereinfacht.
  • Grundlagenverständnis von Statistik

Für die Veröffentlichung solltest du ein neues Gefühl dafür entwickeln, wie du das Ergebnis deiner Recherche darstellst. Denn das kann, muss aber nicht mehr eine klassische Reportage sein.  Programme wie Datawrapper unterstützen dich, Zahlen in interaktive Grafiken auszuspielen. Oft hilft eine digitale Landkarte. Oder ein Dashboard. Du hast es wahrscheinlich während der Covid-Pandemie kennengelernt, als die zuvor in Deutschland wenig bekannte John Hopkins Universität durch ihr Corona-Dashboard weltweite Aufmerksamkeit erlangte. 

Ist das noch Journalismus? Aber natürlich! Schon die Hypothesen erfordern eine journalistische Herangehensweise: Was interessiert? In was für eine Geschichte könnte die Recherche münden? Dann ist das Ergebnis mit journalistischem Know-how zu hinterfragen. Und am Ende geht es um die Darstellung. Und das heißt oft wieder ganz klassisch, individuelle Menschen anzusprechen und ihre Geschichten zu recherchieren, die das Ergebnis der Recherche plastisch machen.

Eine wichtige journalistische Fähigkeit ist zudem der Faktencheck: Nur mit den passenden Daten kannst du oft erkennen und aufzeigen, welche im öffentlichen Diskurs geäußerten Behauptungen sich belegen lassen und welche eben nicht. Der große Vorteil: Du kannst emotional aufgeladene Diskussionen auf faktenbasierte Beine stellen, ganz egal, ob es sich nun um Antisemititsmus oder Wärmepumpen handelt. Wo die klassische Reporterin ihre Geschichte auf Einzelfälle aufbaut, nutzt der Datenjournalismus systematische Analysen.

Wer kann Datenjournalismus brauchen?   

Datenjournalismus erfordert oft einen langen Atem. Manchmal sogar einen sehr langen Atem.

Aber er funktioniert praktisch bei den allermeisten journalistischen Themenfeldern - auch solchen, wo du das vielleicht nicht gleich erwartest. Im Sport (zB. auf Basis von Spielergebnis-Tabellen oder Spielerlisten). In der Lokalpolitik (wenn du z.B. Arbeitslosenzahlen aus deinem Landkreis analysierst). Wenn du suchst, findest du Anknüpfungspunkte auch in der Reise. Und im Feuilleton. 

So kannst du in deinem Herzensthema bleiben, findest plötzlich Themenansätze, wo du wenig oder keinen Wettbewerb hast. Und du kannst potenziellen Abnehmern etwas anbieten, was sie in der Regel selbst nicht beherrschen. 

Und wenn du mal drin bist im Datenjournalismus, bist du plötzlich gefragt auch in anderen Ressorts und Themenbereichen, kannst du breiter aufstellen und beruflich absichern. Denn du hast jetzt ein Alleinstellungsmerkmal.

Wie kann ich starten?

Du kannst natürlich einfach so beginnen und dich mit Youtube-Online-Kursen voranbringen. Du kannst aber auch eines der zahlreichen Weiterbildungsangebote auf dem Markt nutzen. Da findest du dann oft neben dem theoretischen Zugang und dem praktischen Blick auf gute Geschichten auch andere Freie, mit denen du dich austauschen oder gleich ein gemeinsames Projekt starten kannst. Denn Datenjournalismus bedeutet praktisch immer Teamarbeit. 

Hier Aus- und Weiterblildungsanbieter mit datenjournalistischen Kursen, die zum Recherchezeitpunkt (April 2026) angeboten wurden:

Akademie der bayerischen Presse

Berliner Journalistenschule

Journalist:innen-Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung

Reporterfabrik

Viele Angebote sind für Freie über Bildungszeit, KfW oder Freiberufler-Förderprogramme förderfähig.


Bearbeitung: Hans Werner Rodrian
Datum und Uhrzeit: 2026-04-09 14:55:54
Inhalt der Änderung

Du hast vor Technik keine Angst, kommst mit Zahlen und Daten gut klar und bist hartnäckig bei der Recherche wie der Themensuche: Dann könnte Datenjournalismus für dich ein Thema sein. Datenjournalismus ist keine neue Form von Journalismus, sondern eine andere Form zu recherchieren und Quellen zu finden. Dieses Wissen hilft dir, neu durchzustarten in deinem guten alten Tätigkeitsfeld oder auch in neuen Themenbereichen: Versuch's doch mal mit Daten!

Die Schneehöhen in den deutschen Mittelgebirgen, eine Liste aller Straßen in Aschaffenburg, die Statistik der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland, ein fränkischer Grundwasseratlas. Langweilig? Nicht wenn du datenjournalistisch heran gehst. Der Main-Echo-Redakteur Kevin Zahn machte aus der Straßenliste z.B. eine Geschichte, dass nicht mal so viele Straßen in Aschaffenburg nach allen Frauen zusammen benannt sind als allein nach Männern mit dem Vornamen Karl. 

Klimadaten, Wirtschaftszahlen, Wahlergebnisse: Nie waren so viele Daten wie heute verfügbar. Und daraus lässt sich etwas machen. Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus – na ja, sie sind zumindest mal was anderes, als immer nur auf eine Pressekonferenz zu gehen. Und deshalb bist du normalerweise erst mal alleiniger Anbieter von Themen, die aus Datenanalysen entstehen. Es ist ein spannender Werkzeugkasten, der sich da öffnet, seit Behörden im Zug der Open Government- und Open Data-Bewegung ihre Daten-Schatzkästen öffnen und seit Open-Source-Programme und KI-Unterstützung einst superteure Analysen inzwischen auf dem Laptop ermöglichen. 

Doch ob du in einem zehnköpfigen investigativen Ressort wie beim Bayerischen Rundfunk oder beim Spiegel unterkommen und dort die nächsten Panama Papers aufdeckst oder ob du in deinem lokalen Bereich einen journalistischen Dreh aus dem Straßennamenverzeichnis findest: Am Ende geht es doch immer um den journalistischen Riecher und das journalistische Handwerk. Du musst aus schnöden Datensätzen Geschichten heraus finden und die dann auch professionell für deine Zielgruppe aufbereiten und formulieren.

Wo du bisher vielleicht ein gutes Informantennetz hattest oder einfach nur die richtigen Fachzeitschriften gelesen hast, bietet dir Datenjournalismus eine weitere, neue Recherchebasis. Es ist eine anndere Art, Themen zu setzen. Und in neuer Form zu reagieren. Ein Musterbeispiel dafür ist  Wahlberichterstattung: Die funktioniert heute bis runter auf die Gemeindeebene praktisch live und in Echtzeit. Und dann kommt die Zweitverwertung: Wenn die Wahl vorbei ist, kannst du dir aus der Masse der Daten die spannendsten Sachen rauspicken und ganz klassisch darüber berichten.

Wie funktioniert es? Das Ganze basiert meist darauf, Daten zu bekommen, einzulesen, zu analysieren und auszuwerten und am Ende aufzubereiten. Das funktioniert oft bereits mit Excel, in der Regel kommen datenjournalistisch Tätige aber um Programmierung nicht herum. Meistens wird heute Python genutzt, doch das kann sich morgen schon wieder geändert haben. Wichtig wird es aber bleiben, die erhaltenen Daten zu bewerten. Wer hat sie erhoben? Wie wurden sie erhoben? Wie hoch mag die Fehlerrate sein?

Wie kommt man an die Daten? Oft genug stehen sie öffentlich einsehbar auf einer z.B. behördlichen Website. Oder sind als Geschäftsberichte eines Unternehmens der vergangenen 10, 15, 20 Jahre im Archiv deiner Lokalzeitung. Oder du bekommst sie von einem Informanten durchgestochen. 

Du kannst aber auch offiziell bei Institutionen anfragen. Schließlich haben journalistisch Tätige einen Auskunftsanspruch gegenüber Behörden, der sich aus § 5 Grundgesetz herleitet und in den Länderpressegesetzen konkretisiert wird. Auch hat die gesamte Bevölkerung (und damit jeder journalistisch Tätige) einen Auskunftsanspruch nach den Informationsfreiheitsgesetzen des Bundes und der Länder.    

Sinnvoller ist es meistens, den Anspruch auf die Pressegesetze zu stützen. Zum einen, weil sonst manchmal ganz erhebliche Gebühren fällig werden können. Zum anderen, weil das Medienprivileg hinterher weitgehend die Einschränkungen durch die Datenschutzgrundverordnung aushebelt.

Musst du für Datenjournalismus IT-Fachkraft sein? Na ja, das meiste kannst du dir antrainieren. Aber ohne ein gewisses technisches Grundverständnis macht es vermutlich wenig Sinn. Du solltest keine Angst haben vor Zahlen und Zeilen. Und Freude daran haben, aus langweiligen Zeichenfolgen spannende Geschichten zu machen. Diese Fertigkeiten werden dir helfen:

  • Fitness in Excel, im Gruppieren von Daten und z.B. mit Pivot-Tabellen
  • Erfahrung im Bau und beim Abfragen von Datenbanken 
  • Keine Angst vor Skriptsprachen und Programmiersprachen wie Python. Wobei sich das gerade dank KI deutlich vereinfacht.
  • Grundlagenverständnis von Statistik

Für die Veröffentlichung solltest du ein neues Gefühl dafür entwickeln, wie du das Ergebnis deine Recherche darstellst. Denn das kann, muss aber nicht mehr eine klassische Reportage sein.  Programme wie Datawrapper unterstützen dich, Zahlen in interaktive Grafiken auszuspielen. Oft hilft eine digitale Landkarte. Oder ein Dashboard. Du hast es wahrscheinlich während der Covid-Pandemie kennengelernt, als die zuvor in Deutschland wenig bekannte John Hopkins Universität durch ihr Corona-Dashboard weltweite Aufmerksamkeit erlangte. 

Ist das noch Journalismus? Aber natürlich! Schon die Hypothesen erfordern eine journalistische Herangehensweise: Was interessiert? In was für eine Geschichte könnte die Recherche münden? Dann ist das Ergebnis mit journalistischem Know-how zu hinterfragen. Und am Ende geht es um die Darstellung. Und das heißt oft wieder ganz klassisch, individuelle Menschen anzusprechen und ihre Geschichten zu recherchieren, die das Ergebnis der Recherche plastisch machen.

Eine wichtige journalistische Fähigkeit ist zudem der Faktencheck: Nur mit den passenden Daten kannst du oft erkennen und aufzeigen, welche im öffentlichen Diskurs geäußerten Behauptungen sich belegen lassen und welche eben nicht. Der große Vorteil: Du kannst emotional aufgeladene Diskussionen auf faktenbasierte Beine stellen, ganz egal, ob es sich nun um Antisemititsmus oder Wärmepumpen handelt. Wo die klassische Reporterin ihre Geschichte auf Einzelfälle aufbaut, nutzt der Datenjournalismus systematische Analysen.

Wer kann Datenjournalismus brauchen?   

Datenjournalismus erfordert oft einen langen Atem. Manchmal sogar einen sehr langen Atem.

Aber er funktioniert praktisch bei den allermeisten journalistischen Themenfeldern - auch solchen, wo du das vielleicht nicht gleich erwartest. Im Sport (zB. auf Basis von Spielergebnis-Tabellen oder Spielerlisten). In der Lokalpolitik (wenn du z.B. Arbeitslosenzahlen aus deinem Landkreis analysierst). Wenn du suchst, findest du Anknüpfungspunkte auch in der Reise. Und im Feuilleton. 

So kannst du in deinem Herzensthema bleiben, findest plötzlich Themenansätze, wo du wenig oder keinen Wettbewerb hast. Und du kannst potenziellen Abnehmern etwas anbieten, was sie in der Regel selbst nicht beherrschen. 

Und wenn du mal drin bist im Datenjournalismus, bist du plötzlich gefragt auch in anderen Ressorts und Themenbereichen, kannst du breiter aufstellen und beruflich absichern. Denn du hast jetzt ein Alleinstellungsmerkmal.

Wie kann ich starten?

Du kannst natürlich einfach so beginnen und dich mit Youtube-Online-Kursen voranbringen. Du kannst aber auch eines der zahlreichen Weiterbildungsangebote auf dem Markt nutzen. Da findest du dann oft neben dem theoretischen Zugang und dem praktischen Blick auf gute Geschichten auch andere Freie, mit denen du dich austauschen oder gleich ein gemeinsames Projekt starten kannst. Denn Datenjournalismus bedeutet praktisch immer Teamarbeit. 

Hier Aus- und Weiterblildungsanbieter mit datenjournalistischen Kursen, die zum Recherchezeitpunkt (April 2026) angeboten wurden:

Akademie der bayerischen Presse

Berliner Journalistenschule

Journalist:innen-Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung

Reporterfabrik

Viele Angebote sind für Freie über Bildungszeit, KfW oder Freiberufler-Förderprogramme förderfähig.


Bearbeitung: Hans Werner Rodrian
Datum und Uhrzeit: 2026-04-09 14:55:01
Inhalt der Änderung

Du hast vor Technik keine Angst, kommst mit Zahlen und Daten gut klar und bist hartnäckig bei der Recherche wie der Themensuche: Dann könnte Datenjournalismus für dich ein Thema sein. Datenjournalismus ist keine neue Form von Journalismus, sondern eine andere Form zu recherchieren und Quellen zu finden. Dieses Wissen hilft dir, neu durchzustarten in deinem guten alten Tätigkeitsfeld oder auch in neuen Themenbereichen: Versuch's doch mal mit Daten!

Die Schneehöhen in den deutschen Mittelgebirgen, eine Liste aller Straßen in Aschaffenburg, die Statistik der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland, ein fränkischer Grundwasseratlas. Langweilig? Nicht wenn du datenjournalistisch heran gehst. Der Main-Echo-Redakteur Kevin Zahn machte aus der Straßenliste z.B. eine Geschichte, dass nicht mal so viele Straßen in Aschaffenburg nach allen Frauen zusammen benannt sind als allein nach Männern mit dem Vornamen Karl. 

Klimadaten, Wirtschaftszahlen, Wahlergebnisse: Nie waren so viele Daten wie heute verfügbar. Und daraus lässt sich etwas machen. Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus – na ja, sie sind zumindest mal was anderes, als immer nur auf eine Pressekonferenz zu gehen. Und deshalb bist du normalerweise erst mal alleiniger Anbieter von Themen, die aus Datenanalysen entstehen. Es ist ein spannender Werkzeugkasten, der sich da öffnet, seit Behörden im Zug der Open Government- und Open Data-Bewegung ihre Daten-Schatzkästen öffnen und seit Open-Source-Programme und KI-Unterstützung einst superteure Analysen inzwischen auf dem Laptop ermöglichen. 

Doch ob du in einem zehnköpfigen investigativen Ressort wie beim Bayerischen Rundfunk oder beim Spiegel unterkommen und dort die nächsten Panama Papers aufdeckst oder ob du in deinem lokalen Bereich einen journalistischen Dreh aus dem Straßennamenverzeichnis findest: Am Ende geht es doch immer um den journalistischen Riecher und das journalistische Handwerk. Du musst aus schnöden Datensätzen Geschichten heraus finden und die dann auch professionell für deine Zielgruppe aufbereiten und formulieren.

Wo du bisher vielleicht ein gutes Informantennetz hattest oder einfach nur die richtigen Fachzeitschriften gelesen hast, bietet dir Datenjournalismus eine weitere, neue Recherchebasis. Es ist eine anndere Art, Themen zu setzen. Und in neuer Form zu reagieren. Ein Musterbeispiel dafür ist  Wahlberichterstattung: Die funktioniert heute bis runter auf die Gemeindeebene praktisch live und in Echtzeit. Und dann kommt die Zweitverwertung: Wenn die Wahl vorbei ist, kannst du dir aus der Masse der Daten die spannendsten Sachen rauspicken und ganz klassisch darüber berichten.

Wie funktioniert es? Das Ganze basiert meist darauf, Daten zu bekommen, einzulesen, zu analysieren und auszuwerten und am Ende aufzubereiten. Das funktioniert oft bereits mit Excel, in der Regel kommen datenjournalistisch Tätige aber um Programmierung nicht herum. Meistens wird heute Python genutzt, doch das kann sich morgen schon wieder geändert haben. Wichtig wird es aber bleiben, die erhaltenen Daten zu bewerten. Wer hat sie erhoben? Wie wurden sie erhoben? Wie hoch mag die Fehlerrate sein?

Wie kommt man an die Daten? Oft genug stehen sie öffentlich einsehbar auf einer z.B. behördlichen Website. Oder sind als Geschäftsberichte eines Unternehmens der vergangenen 10, 15, 20 Jahre im Archiv deiner Lokalzeitung. Oder du bekommst sie von einem Informanten durchgestochen. 

Du kannst aber auch offiziell bei Institutionen anfragen. Schließlich haben journalistisch Tätige einen Auskunftsanspruch gegenüber Behörden, der sich aus § 5 Grundgesetz herleitet und in den Länderpressegesetzen konkretisiert wird. Auch hat die gesamte Bevölkerung (und damit jeder journalistisch Tätige) einen Auskunftsanspruch nach den Informationsfreiheitsgesetzen des Bundes und der Länder.    

Sinnvoller ist es meistens, den Anspruch auf die Pressegesetze zu stützen. Zum einen, weil sonst manchmal ganz erhebliche Gebühren fällig werden können. Zum anderen, weil das Medienprivileg hinterher weitgehend die Einschränkungen durch die Datenschutzgrundverordnung aushebelt.

Musst du für Datenjournalismus IT-Fachkraft sein? Na ja, das meiste kannst du dir antrainieren. Aber ohne ein gewisses technisches Grundverständnis macht es vermutlich wenig Sinn. Du solltest keine Angst haben vor Zahlen und Zeilen. Und Freude daran haben, aus langweiligen Zeichenfolgen spannende Geschichten zu machen. Diese Fertigkeiten werden dir helfen:

1) Fitness in Excel, im Gruppieren von Daten und z.B. mit Pivot-Tabellen

2) Erfahrung im Bau und beim Abfragen von Datenbanken 

3) Keine Angst vor Skriptsprachen und Programmiersprachen wie Python. Wobei sich das gerade dank KI deutlich vereinfacht.

4) Grundlagen der Statistik

Für die Veröffentlichung solltest du ein neues Gefühl dafür entwickeln, wie du das Ergebnis deine Recherche darstellst. Denn das kann, muss aber nicht mehr eine klassische Reportage sein.  Programme wie Datawrapper unterstützen dich, Zahlen in interaktive Grafiken auszuspielen. Oft hilft eine digitale Landkarte. Oder ein Dashboard. Du hast es wahrscheinlich während der Covid-Pandemie kennengelernt, als die zuvor in Deutschland wenig bekannte John Hopkins Universität durch ihr Corona-Dashboard weltweite Aufmerksamkeit erlangte. 

Ist das noch Journalismus? Aber natürlich! Schon die Hypothesen erfordern eine journalistische Herangehensweise: Was interessiert? In was für eine Geschichte könnte die Recherche münden? Dann ist das Ergebnis mit journalistischem Know-how zu hinterfragen. Und am Ende geht es um die Darstellung. Und das heißt oft wieder ganz klassisch, individuelle Menschen anzusprechen und ihre Geschichten zu recherchieren, die das Ergebnis der Recherche plastisch machen.

Eine wichtige journalistische Fähigkeit ist zudem der Faktencheck: Nur mit den passenden Daten kannst du oft erkennen und aufzeigen, welche im öffentlichen Diskurs geäußerten Behauptungen sich belegen lassen und welche eben nicht. Der große Vorteil: Du kannst emotional aufgeladene Diskussionen auf faktenbasierte Beine stellen, ganz egal, ob es sich nun um Antisemititsmus oder Wärmepumpen handelt. Wo die klassische Reporterin ihre Geschichte auf Einzelfälle aufbaut, nutzt der Datenjournalismus systematische Analysen.

Wer kann Datenjournalismus brauchen?   

Datenjournalismus erfordert oft einen langen Atem. Manchmal sogar einen sehr langen Atem.

Aber er funktioniert praktisch bei den allermeisten journalistischen Themenfeldern - auch solchen, wo du das vielleicht nicht gleich erwartest. Im Sport (zB. auf Basis von Spielergebnis-Tabellen oder Spielerlisten). In der Lokalpolitik (wenn du z.B. Arbeitslosenzahlen aus deinem Landkreis analysierst). Wenn du suchst, findest du Anknüpfungspunkte auch in der Reise. Und im Feuilleton. 

So kannst du in deinem Herzensthema bleiben, findest plötzlich Themenansätze, wo du wenig oder keinen Wettbewerb hast. Und du kannst potenziellen Abnehmern etwas anbieten, was sie in der Regel selbst nicht beherrschen. 

Und wenn du mal drin bist im Datenjournalismus, bist du plötzlich gefragt auch in anderen Ressorts und Themenbereichen, kannst du breiter aufstellen und beruflich absichern. Denn du hast jetzt ein Alleinstellungsmerkmal.

Wie kann ich starten?

Du kannst natürlich einfach so beginnen und dich mit Youtube-Online-Kursen voranbringen. Du kannst aber auch eines der zahlreichen Weiterbildungsangebote auf dem Markt nutzen. Da findest du dann oft neben dem theoretischen Zugang und dem praktischen Blick auf gute Geschichten auch andere Freie, mit denen du dich austauschen oder gleich ein gemeinsames Projekt starten kannst. Denn Datenjournalismus bedeutet praktisch immer Teamarbeit. 

Hier Aus- und Weiterblildungsanbieter mit datenjournalistischen Kursen, die zum Recherchezeitpunkt (April 2026) angeboten wurden:

Akademie der bayerischen Presse

Berliner Journalistenschule

Journalist:innen-Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung

Reporterfabrik

Viele Angebote sind für Freie über Bildungszeit, KfW oder Freiberufler-Förderprogramme förderfähig.


Bearbeitung: Hans Werner Rodrian
Datum und Uhrzeit: 2026-04-09 14:54:22
Inhalt der Änderung

Du hast vor Technik keine Angst, kommst mit Zahlen und Daten gut klar und bist hartnäckig bei der Recherche wie der Themensuche: Dann könnte Datenjournalismus für dich ein Thema sein. Datenjournalismus ist keine neue Form von Journalismus, sondern eine andere Form zu recherchieren und Quellen zu finden. Dieses Wissen hilft dir, neu durchzustarten in deinem guten alten Tätigkeitsfeld oder auch in neuen Themenbereichen: Versuch's doch mal mit Daten!

Die Schneehöhen in den deutschen Mittelgebirgen, eine Liste aller Straßen in Aschaffenburg, die Statistik der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland, ein fränkischer Grundwasseratlas. Langweilig? Nicht wenn du datenjournalistisch heran gehst. Der Main-Echo-Redakteur Kevin Zahn machte aus der Straßenliste z.B. eine Geschichte, dass nicht mal so viele Straßen in Aschaffenburg nach allen Frauen zusammen benannt sind als allein nach Männern mit dem Vornamen Karl. 

Klimadaten, Wirtschaftszahlen, Wahlergebnisse: Nie waren so viele Daten wie heute verfügbar. Und daraus lässt sich etwas machen. Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus – na ja, sie sind zumindest mal was anderes, als immer nur auf eine Pressekonferenz zu gehen. Und deshalb bist du normalerweise erst mal alleiniger Anbieter von Themen, die aus Datenanalysen entstehen. Es ist ein spannender Werkzeugkasten, der sich da öffnet, seit Behörden im Zug der Open Government- und Open Data-Bewegung ihre Daten-Schatzkästen öffnen und seit Open-Source-Programme und KI-Unterstützung einst superteure Analysen inzwischen auf dem Laptop ermöglichen. 

Doch ob du in einem zehnköpfigen investigativen Ressort wie beim Bayerischen Rundfunk oder beim Spiegel unterkommen und dort die nächsten Panama Papers aufdeckst oder ob du in deinem lokalen Bereich einen journalistischen Dreh aus dem Straßennamenverzeichnis findest: Am Ende geht es doch immer um den journalistischen Riecher und das journalistische Handwerk. Du musst aus schnöden Datensätzen Geschichten heraus finden und die dann auch professionell für deine Zielgruppe aufbereiten und formulieren.

Wo du bisher vielleicht ein gutes Informantennetz hattest oder einfach nur die richtigen Fachzeitschriften gelesen hast, bietet dir Datenjournalismus eine weitere, neue Recherchebasis. Es ist eine anndere Art, Themen zu setzen. Und in neuer Form zu reagieren. Ein Musterbeispiel dafür ist  Wahlberichterstattung: Die funktioniert heute bis runter auf die Gemeindeebene praktisch live und in Echtzeit. Und dann kommt die Zweitverwertung: Wenn die Wahl vorbei ist, kannst du dir aus der Masse der Daten die spannendsten Sachen rauspicken und ganz klassisch darüber berichten.

Wie funktioniert es? Das Ganze basiert meist darauf, Daten zu bekommen, einzulesen, zu analysieren und auszuwerten und am Ende aufzubereiten. Das funktioniert oft bereits mit Excel, in der Regel kommen datenjournalistisch Tätige aber um Programmierung nicht herum. Meistens wird heute Python genutzt, doch das kann sich morgen schon wieder geändert haben. Wichtig wird es aber bleiben, die erhaltenen Daten zu bewerten. Wer hat sie erhoben? Wie wurden sie erhoben? Wie hoch mag die Fehlerrate sein?

Wie kommt man an die Daten? Oft genug stehen sie öffentlich einsehbar auf einer z.B. behördlichen Website. Oder sind als Geschäftsberichte eines Unternehmens der vergangenen 10, 15, 20 Jahre im Archiv deiner Lokalzeitung. Oder du bekommst sie von einem Informanten durchgestochen. 

Du kannst aber auch offiziell bei Institutionen anfragen. Schließlich haben journalistisch Tätige einen Auskunftsanspruch gegenüber Behörden, der sich aus § 5 Grundgesetz herleitet und in den Länderpressegesetzen konkretisiert wird. Auch hat die gesamte Bevölkerung (und damit jeder journalistisch Tätige) einen Auskunftsanspruch nach den Informationsfreiheitsgesetzen des Bundes und der Länder.    

Sinnvoller ist es meistens, den Anspruch auf die Pressegesetze zu stützen. Zum einen, weil sonst manchmal ganz erhebliche Gebühren fällig werden können. Zum anderen, weil das Medienprivileg hinterher weitgehend die Einschränkungen durch die Datenschutzgrundverordnung aushebelt.

Musst du dazu IT-Fachkraft sein? Na ja, das meiste kannst du dir antrainieren. Aber ohne ein gewisses technisches Grundverständnis macht es vermutlich wenig Sinn. Du solltest keine Angst haben vor Zahlen und Zeilen. Und Freude daran haben, aus langweiligen Zeichenfolgen spannende Geschichten zu machen. Diese Fertigkeiten werden dir helfen:

1) Fitness in Excel, im Gruppieren von Daten und z.B. mit Pivot-Tabellen

2) Erfahrung im Bau und beim Abfragen von Datenbanken 

3) Keine Angst vor Skriptsprachen und Programmiersprachen wie Python. Wobei sich das gerade dank KI deutlich vereinfacht.

4) Grundlagen der Statistik

Für die Veröffentlichung solltest du ein neues Gefühl dafür entwickeln, wie du das Ergebnis deine Recherche darstellst. Denn das kann, muss aber nicht mehr eine klassische Reportage sein.  Programme wie Datawrapper unterstützen dich, Zahlen in interaktive Grafiken auszuspielen. Oft hilft eine digitale Landkarte. Oder ein Dashboard. Du hast es wahrscheinlich während der Covid-Pandemie kennengelernt, als die zuvor in Deutschland wenig bekannte John Hopkins Universität durch ihr Corona-Dashboard weltweite Aufmerksamkeit erlangte. 

Ist das noch Journalismus? Aber natürlich! Schon die Hypothesen erfordern eine journalistische Herangehensweise: Was interessiert? In was für eine Geschichte könnte die Recherche münden? Dann ist das Ergebnis mit journalistischem Know-how zu hinterfragen. Und am Ende geht es um die Darstellung. Und das heißt oft wieder ganz klassisch, individuelle Menschen anzusprechen und ihre Geschichten zu recherchieren, die das Ergebnis der Recherche plastisch machen.

Eine wichtige journalistische Fähigkeit ist zudem der Faktencheck: Nur mit den passenden Daten kannst du oft erkennen und aufzeigen, welche im öffentlichen Diskurs geäußerten Behauptungen sich belegen lassen und welche eben nicht. Der große Vorteil: Du kannst emotional aufgeladene Diskussionen auf faktenbasierte Beine stellen, ganz egal, ob es sich nun um Antisemititsmus oder Wärmepumpen handelt. Wo die klassische Reporterin ihre Geschichte auf Einzelfälle aufbaut, nutzt der Datenjournalismus systematische Analysen.

Wer kann Datenjournalismus brauchen?   

Datenjournalismus erfordert oft einen langen Atem. Manchmal sogar einen sehr langen Atem.

Aber er funktioniert praktisch bei den allermeisten journalistischen Themenfeldern - auch solchen, wo du das vielleicht nicht gleich erwartest. Im Sport (zB. auf Basis von Spielergebnis-Tabellen oder Spielerlisten). In der Lokalpolitik (wenn du z.B. Arbeitslosenzahlen aus deinem Landkreis analysierst). Wenn du suchst, findest du Anknüpfungspunkte auch in der Reise. Und im Feuilleton. 

So kannst du in deinem Herzensthema bleiben, findest plötzlich Themenansätze, wo du wenig oder keinen Wettbewerb hast. Und du kannst potenziellen Abnehmern etwas anbieten, was sie in der Regel selbst nicht beherrschen. 

Und wenn du mal drin bist im Datenjournalismus, bist du plötzlich gefragt auch in anderen Ressorts und Themenbereichen, kannst du breiter aufstellen und beruflich absichern. Denn du hast jetzt ein Alleinstellungsmerkmal.

Wie kann ich starten?

Du kannst natürlich einfach so beginnen und dich mit Youtube-Online-Kursen voranbringen. Du kannst aber auch eines der zahlreichen Weiterbildungsangebote auf dem Markt nutzen. Da findest du dann oft neben dem theoretischen Zugang und dem praktischen Blick auf gute Geschichten auch andere Freie, mit denen du dich austauschen oder gleich ein gemeinsames Projekt starten kannst. Denn Datenjournalismus bedeutet praktisch immer Teamarbeit. 

Hier Aus- und Weiterblildungsanbieter mit datenjournalistischen Kursen, die zum Recherchezeitpunkt (April 2026) angeboten wurden:

Akademie der bayerischen Presse

Berliner Journalistenschule

Journalist:innen-Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung

Reporterfabrik

Viele Angebote sind für Freie über Bildungszeit, KfW oder Freiberufler-Förderprogramme förderfähig.


Bearbeitung: Hans Werner Rodrian
Datum und Uhrzeit: 2026-04-09 14:51:40
Inhalt der Änderung

Du hast vor Technik keine Angst, kommst mit Zahlen und Daten gut klar und bist hartnäckig bei der Recherche wie der Themensuche: Dann könnte Datenjournalismus für dich ein Thema sein. Datenjournalismus ist keine neue Form von Journalismus, sondern eine andere Form zu recherchieren und Quellen zu finden. Dieses Wissen hilft dir, neu durchzustarten in deinem guten alten Tätigkeitsfeld oder auch in neuen Themenbereichen: Versuch's doch mal mit Daten!

Die Schneehöhen in den deutschen Mittelgebirgen, eine Liste aller Straßen in Aschaffenburg, die Statistik der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland, ein fränkischer Grundwasseratlas. Langweilig? Nicht wenn du datenjournalistisch heran gehst. Der Main-Echo-Redakteur Kevin Zahn machte aus der Straßenliste z.B. eine Geschichte, dass nicht mal so viele Straßen in Aschaffenburg nach allen Frauen zusammen benannt sind als allein nach Männern mit dem Vornamen Karl. 

Klimadaten, Wirtschaftszahlen, Wahlergebnisse: Nie waren so viele Daten wie heute verfügbar. Und daraus lässt sich etwas machen. Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus – na ja, sie sind zumindest mal was anderes, als immer nur auf eine Pressekonferenz zu gehen. Und deshalb bist du normalerweise erst mal alleiniger Anbieter von Themen, die aus Datenanalysen entstehen. Es ist ein spannender Werkzeugkasten, der sich da öffnet, seit Behörden im Zug der Open Government- und Open Data-Bewegung ihre Daten-Schatzkästen öffnen und seit Open-Source-Programme und KI-Unterstützung einst superteure Analysen inzwischen auf dem Laptop ermöglichen. 

Doch ob du in einem zehnköpfigen investigativen Ressort wie beim Bayerischen Rundfunk oder beim Spiegel unterkommen und dort die nächsten Panama Papers aufdeckst oder ob du in deinem lokalen Bereich einen journalistischen Dreh aus dem Straßennamenverzeichnis findest: Am Ende geht es doch immer um den journalistischen Riecher und das journalistische Handwerk. Du musst aus schnöden Datensätzen Geschichten heraus finden und die dann auch professionell für deine Zielgruppe aufbereiten und formulieren.

Wo du bisher vielleicht ein gutes Informantennetz hattest oder einfach nur die richtigen Fachzeitschriften gelesen hast, bietet dir Datenjournalismus eine weitere, neue Recherchebasis. Es ist eine anndere Art, Themen zu setzen. Und in neuer Form zu reagieren. Ein Musterbeispiel dafür ist  Wahlberichterstattung: Die funktioniert heute bis runter auf die Gemeindeebene praktisch live und in Echtzeit. Und dann kommt die Zweitverwertung: Wenn die Wahl vorbei ist, kannst du dir aus der Masse der Daten die spannendsten Sachen rauspicken und ganz klassisch darüber berichten.

Wie funktioniert es? Das Ganze basiert meist darauf, Daten zu bekommen, einzulesen, zu analysieren und auszuwerten und am Ende aufzubereiten. Das funktioniert oft bereits mit Excel, in der Regel kommen datenjournalistisch Tätige aber um Programmierung nicht herum. Meistens wird heute Python genutzt, doch das kann sich morgen schon wieder geändert haben. Wichtig wird es aber bleiben, die erhaltenen Daten zu bewerten. Wer hat sie erhoben? Wie wurden sie erhoben? Wie hoch mag die Fehlerrate sein?

Wie kommt man an die Daten? Oft genug stehen sie öffentlich einsehbar auf einer z.B. behördlichen Website. Oder sind als Geschäftsberichte eines Unternehmens der vergangenen 10, 15, 20 Jahre im Archiv deiner Lokalzeitung. Oder du bekommst sie von einem Informanten durchgestochen. 

Du kannst aber auch offiziell bei Institutionen anfragen. Schließlich haben journalistisch Tätige einen Auskunftsanspruch gegenüber Behörden, der sich aus § 5 Grundgesetz herleitet und in den Länderpressegesetzen konkretisiert wird. Auch hat jeder Bürger (und damit jeder Journalist) einen Auskunftsanspruch nach den Informationsfreiheitsgesetzen des Bundes und der Länder.    

Sinnvoller ist es meistens, den Anspruch auf die Pressegesetze zu stützen. Zum einen, weil sonst manchmal ganz erhebliche Gebühren fällig werden können. Zum anderen, weil das Medienprivileg hinterher weitgehend die Einschränkungen durch die Datenschutzgrundverordnung aushebelt.

Musst du dazu IT-Fachkraft sein? Na ja, das meiste kannst du dir antrainieren. Aber ohne ein gewisses technisches Grundverständnis macht es vermutlich wenig Sinn. Du solltest keine Angst haben vor Zahlen und Zeilen. Und Freude daran haben, aus langweiligen Zeichenfolgen spannende Geschichten zu machen. Diese Fertigkeiten werden dir helfen:

1) Fitness in Excel, im Gruppieren von Daten und z.B. mit Pivot-Tabellen

2) Erfahrung im Bau und beim Abfragen von Datenbanken 

3) Keine Angst vor Skriptsprachen und Programmiersprachen wie Python. Wobei sich das gerade dank KI deutlich vereinfacht.

4) Grundlagen der Statistik

Für die Veröffentlichung solltest du ein neues Gefühl dafür entwickeln, wie du das Ergebnis deine Recherche darstellst. Denn das kann, muss aber nicht mehr eine klassische Reportage sein.  Programme wie Datawrapper unterstützen dich, Zahlen in interaktive Grafiken auszuspielen. Oft hilft eine digitale Landkarte. Oder ein Dashboard. Du hast es wahrscheinlich während der Covid-Pandemie kennengelernt, als die zuvor in Deutschland wenig bekannte John Hopkins Universität durch ihr Corona-Dashboard weltweite Aufmerksamkeit erlangte. 

Ist das noch Journalismus? Aber natürlich! Schon die Hypothesen erfordern eine journalistische Herangehensweise: Was interessiert? In was für eine Geschichte könnte die Recherche münden? Dann ist das Ergebnis mit journalistischem Know-how zu hinterfragen. Und am Ende geht es um die Darstellung. Und das heißt oft wieder ganz klassisch, individuelle Menschen anzusprechen und ihre Geschichten zu recherchieren, die das Ergebnis der Recherche plastisch machen.

Eine wichtige journalistische Fähigkeit ist zudem der Faktencheck: Nur mit den passenden Daten kannst du oft erkennen und aufzeigen, welche im öffentlichen Diskurs geäußerten Behauptungen sich belegen lassen und welche eben nicht. Der große Vorteil: Du kannst emotional aufgeladene Diskussionen auf faktenbasierte Beine stellen, ganz egal, ob es sich nun um Antisemititsmus oder Wärmepumpen handelt. Wo die klassische Reporterin ihre Geschichte auf Einzelfälle aufbaut, nutzt der Datenjournalismus systematische Analysen.

Wer kann Datenjournalismus brauchen?   

Datenjournalismus erfordert oft einen langen Atem. Manchmal sogar einen sehr langen Atem.

Aber er funktioniert praktisch bei den allermeisten journalistischen Themenfeldern - auch solchen, wo du das vielleicht nicht gleich erwartest. Im Sport (zB. auf Basis von Spielergebnis-Tabellen oder Spielerlisten). In der Lokalpolitik (wenn du z.B. Arbeitslosenzahlen aus deinem Landkreis analysierst). Wenn du suchst, findest du Anknüpfungspunkte auch in der Reise. Und im Feuilleton. 

So kannst du in deinem Herzensthema bleiben, findest plötzlich Themenansätze, wo du wenig oder keinen Wettbewerb hast. Und du kannst potenziellen Abnehmern etwas anbieten, was sie in der Regel selbst nicht beherrschen. 

Und wenn du mal drin bist im Datenjournalismus, bist du plötzlich gefragt auch in anderen Ressorts und Themenbereichen, kannst du breiter aufstellen und beruflich absichern. Denn du hast jetzt ein Alleinstellungsmerkmal.

Wie kann ich starten?

Du kannst natürlich einfach so beginnen und dich mit Youtube-Online-Kursen voranbringen. Du kannst aber auch eines der zahlreichen Weiterbildungsangebote auf dem Markt nutzen. Da findest du dann oft neben dem theoretischen Zugang und dem praktischen Blick auf gute Geschichten auch andere Freie, mit denen du dich austauschen oder gleich ein gemeinsames Projekt starten kannst. Denn Datenjournalismus bedeutet praktisch immer Teamarbeit. 

Hier Aus- und Weiterblildungsanbieter mit datenjournalistischen Kursen, die zum Recherchezeitpunkt (April 2026) angeboten wurden:

Akademie der bayerischen Presse

Berliner Journalistenschule

Journalist:innen-Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung

Reporterfabrik

Viele Angebote sind für Freie über Bildungszeit, KfW oder Freiberufler-Förderprogramme förderfähig.


Bearbeitung: Hans Werner Rodrian
Datum und Uhrzeit: 2026-04-09 14:51:00
Inhalt der Änderung

Du hast vor Technik keine Angst, kommst mit Zahlen und Daten gut klar und bist hartnäckig bei der Recherche wie der Themensuche: Dann könnte Datenjournalismus für dich ein Thema sein. Datenjournalismus ist keine neue Form von Journalismus, sondern eine andere Form zu recherchieren und Quellen zu finden. Dieses Wissen hilft dir, neu durchzustarten in deinem guten alten Tätigkeitsfeld oder auch in neuen Themenbereichen: Versuch's doch mal mit Daten!

Die Schneehöhen in den deutschen Mittelgebirgen, eine Liste aller Straßen in Aschaffenburg, die Statistik der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland, ein fränkischer Grundwasseratlas. Langweilig? Nicht wenn du datenjournalistisch heran gehst. Der Main-Echo-Redakteur Kevin Zahn machte aus der Straßenliste z.B. eine Geschichte, dass nicht mal so viele Straßen in Aschaffenburg nach allen Frauen zusammen benannt sind als allein nach Männern mit dem Vornamen Karl. 

Klimadaten, Wirtschaftszahlen, Wahlergebnisse: Nie waren so viele Daten wie heute verfügbar. Und daraus lässt sich etwas machen. Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus – na ja, sie sind zumindest mal was anderes, als immer nur auf eine Pressekonferenz zu gehen. Und deshalb bist du normalerweise erst mal alleiniger Anbieter von Themen, die aus Datenanalysen entstehen. Es ist ein spannender Werkzeugkasten, der sich da öffnet, seit Behörden im Zug der Open Government- und Open Data-Bewegung ihre Daten-Schatzkästen öffnen und seit Open-Source-Programme und KI-Unterstützung einst superteure Analysen inzwischen auf dem Laptop ermöglichen. 

Doch ob du in einem zehnköpfigen investigativen Ressort wie beim Bayerischen Rundfunk oder beim Spiegel unterkommen und dort die nächsten Panama Papers aufdeckst oder ob du in deinem lokalen Bereich einen journalistischen Dreh aus dem Straßennamenverzeichnis findest: Am Ende geht es doch immer um den journalistischen Riecher und das journalistische Handwerk. Du musst aus schnöden Datensätzen Geschichten heraus finden und die dann auch professionell für deine Zielgruppe aufbereiten und formulieren.

Wo du bisher vielleicht ein gutes Informantennetz hattest oder einfach nur die richtigen Fachzeitschriften gelesen hast, bietet dir Datenjournalismus eine weitere, neue Recherchebasis. Es ist eine anndere Art, Themen zu setzen. Und in neuer Form zu reagieren. ein Musterbeispiel dafür ist  Wahlberichterstattung: Die funktioniert heute bis runter auf die Gemeindeebene praktisch live und in Echtzeit. Und dann kommt die Zweitverwertung: Wenn die Wahl vorbei ist, kannst du dir aus der Masse der Daten die spannendsten Sachen rauspicken und ganz klassisch darüber berichten.

Wie funktioniert es? Das Ganze basiert meist darauf, Daten zu bekommen, einzulesen, zu analysieren und auszuwerten und am Ende aufzubereiten. Das funktioniert oft bereits mit Excel, in der Regel kommen datenjournalistisch Tätige aber um Programmierung nicht herum. Meistens wird heute Python genutzt, doch das kann sich morgen schon wieder geändert haben. Wichtig wird es aber bleiben, die erhaltenen Daten zu bewerten. Wer hat sie erhoben? Wie wurden sie erhoben? Wie hoch mag die Fehlerrate sein?

Wie kommt man an die Daten? Oft genug stehen sie öffentlich einsehbar auf einer z.B. behördlichen Website. Oder sind als Geschäftsberichte eines Unternehmens der vergangenen 10, 15, 20 Jahre im Archiv deiner Lokalzeitung. Oder du bekommst sie von einem Informanten durchgestochen. 

Du kannst aber auch offiziell bei Institutionen anfragen. Schließlich haben journalistisch Tätige einen Auskunftsanspruch gegenüber Behörden, der sich aus § 5 Grundgesetz herleitet und in den Länderpressegesetzen konkretisiert wird. Auch hat jeder Bürger (und damit jeder Journalist) einen Auskunftsanspruch nach den Informationsfreiheitsgesetzen des Bundes und der Länder.    

Sinnvoller ist es meistens, den Anspruch auf die Pressegesetze zu stützen. Zum einen, weil sonst manchmal ganz erhebliche Gebühren fällig werden können. Zum anderen, weil das Medienprivileg hinterher weitgehend die Einschränkungen durch die Datenschutzgrundverordnung aushebelt.

Musst du dazu IT-Fachkraft sein? Na ja, das meiste kannst du dir antrainieren. Aber ohne ein gewisses technisches Grundverständnis macht es vermutlich wenig Sinn. Du solltest keine Angst haben vor Zahlen und Zeilen. Und Freude daran haben, aus langweiligen Zeichenfolgen spannende Geschichten zu machen. Diese Fertigkeiten werden dir helfen:

1) Fitness in Excel, im Gruppieren von Daten und z.B. mit Pivot-Tabellen

2) Erfahrung im Bau und beim Abfragen von Datenbanken 

3) Keine Angst vor Skriptsprachen und Programmiersprachen wie Python. Wobei sich das gerade dank KI deutlich vereinfacht.

4) Grundlagen der Statistik

Für die Veröffentlichung solltest du ein neues Gefühl dafür entwickeln, wie du das Ergebnis deine Recherche darstellst. Denn das kann, muss aber nicht mehr eine klassische Reportage sein.  Programme wie Datawrapper unterstützen dich, Zahlen in interaktive Grafiken auszuspielen. Oft hilft eine digitale Landkarte. Oder ein Dashboard. Du hast es wahrscheinlich während der Covid-Pandemie kennengelernt, als die zuvor in Deutschland wenig bekannte John Hopkins Universität durch ihr Corona-Dashboard weltweite Aufmerksamkeit erlangte. 

Ist das noch Journalismus? Aber natürlich! Schon die Hypothesen erfordern eine journalistische Herangehensweise: Was interessiert? In was für eine Geschichte könnte die Recherche münden? Dann ist das Ergebnis mit journalistischem Know-how zu hinterfragen. Und am Ende geht es um die Darstellung. Und das heißt oft wieder ganz klassisch, individuelle Menschen anzusprechen und ihre Geschichten zu recherchieren, die das Ergebnis der Recherche plastisch machen.

Eine wichtige journalistische Fähigkeit ist zudem der Faktencheck: Nur mit den passenden Daten kannst du oft erkennen und aufzeigen, welche im öffentlichen Diskurs geäußerten Behauptungen sich belegen lassen und welche eben nicht. Der große Vorteil: Du kannst emotional aufgeladene Diskussionen auf faktenbasierte Beine stellen, ganz egal, ob es sich nun um Antisemititsmus oder Wärmepumpen handelt. Wo die klassische Reporterin ihre Geschichte auf Einzelfälle aufbaut, nutzt der Datenjournalismus systematische Analysen.

Wer kann Datenjournalismus brauchen?   

Datenjournalismus erfordert oft einen langen Atem. Manchmal sogar einen sehr langen Atem.

Aber er funktioniert praktisch bei den allermeisten journalistischen Themenfeldern - auch solchen, wo du das vielleicht nicht gleich erwartest. Im Sport (zB. auf Basis von Spielergebnis-Tabellen oder Spielerlisten). In der Lokalpolitik (wenn du z.B. Arbeitslosenzahlen aus deinem Landkreis analysierst). Wenn du suchst, findest du Anknüpfungspunkte auch in der Reise. Und im Feuilleton. 

So kannst du in deinem Herzensthema bleiben, findest plötzlich Themenansätze, wo du wenig oder keinen Wettbewerb hast. Und du kannst potenziellen Abnehmern etwas anbieten, was sie in der Regel selbst nicht beherrschen. 

Und wenn du mal drin bist im Datenjournalismus, bist du plötzlich gefragt auch in anderen Ressorts und Themenbereichen, kannst du breiter aufstellen und beruflich absichern. Denn du hast jetzt ein Alleinstellungsmerkmal.

Wie kann ich starten?

Du kannst natürlich einfach so beginnen und dich mit Youtube-Online-Kursen voranbringen. Du kannst aber auch eines der zahlreichen Weiterbildungsangebote auf dem Markt nutzen. Da findest du dann oft neben dem theoretischen Zugang und dem praktischen Blick auf gute Geschichten auch andere Freie, mit denen du dich austauschen oder gleich ein gemeinsames Projekt starten kannst. Denn Datenjournalismus bedeutet praktisch immer Teamarbeit. 

Hier Aus- und Weiterblildungsanbieter mit datenjournalistischen Kursen, die zum Recherchezeitpunkt (April 2026) angeboten wurden:

Akademie der bayerischen Presse

Berliner Journalistenschule

Journalist:innen-Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung

Reporterfabrik

Viele Angebote sind für Freie über Bildungszeit, KfW oder Freiberufler-Förderprogramme förderfähig.


Bearbeitung: Hans Werner Rodrian
Datum und Uhrzeit: 2026-04-09 14:50:20
Inhalt der Änderung

Du hast vor Technik keine Angst, kommst mit Zahlen und Daten gut klar und bist hartnäckig bei der Recherche wie der Themensuche: Dann könnte Datenjournalismus für dich ein Thema sein. Datenjournalismus ist keine neue Form von Journalismus, sondern eine andere Form zu recherchieren und Quellen zu finden. Dieses Wissen hilft dir, neu durchzustarten in deinem guten alten Tätigkeitsfeld oder auch in neuen Themenbereichen: Versuch's doch mal mit Daten!

Die Schneehöhen in den deutschen Mittelgebirgen, eine Liste aller Straßen in Aschaffenburg, die Statistik der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland, ein fränkischer Grundwasseratlas. Langweilig? Nicht wenn du datenjournalistisch heran gehst. Der Main-Echo-Redakteur Kevin Zahn machte aus der Straßenliste z.B. eine Geschichte, dass nicht mal so viele Straßen in Aschaffenburg nach allen Frauen zusammen benannt sind als allein nach Männern mit dem Vornamen Karl. 

Klimadaten, Wirtschaftszahlen, Wahlergebnisse: Nie waren so viele Daten wie heute verfügbar. Und daraus lässt sich etwas machen. Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus – na ja, sie sind zumindest mal was anderes, als immer nur auf eine Pressekonferenz zu gehen. Und deshalb bist du normalerweise erst mal alleiniger Anbieter von Themen, die aus Datenanalysen entstehen. Es ist ein spannender Werkzeugkasten, der sich da öffnet, seit Behörden im Zug der Open Government- und Open Data-Bewegung ihre Daten-Schatzkästen öffnen und seit Open-Source-Programme und KI-Unterstützung einst superteure Analysen inzwischen auf dem Laptop ermöglichen. 

Doch ob du in einem zehnköpfigen investigativen Ressort wie beim Bayerischen Rundfunk oder beim Spiegel unterkommen und dort die nächsten Panama Papers aufdeckst oder ob du in deinem lokalen Bereich einen journalistischen Dreh aus dem Straßennamenverzeichnis findest: Am Ende geht es doch immer um den journalistischen Riecher und das journalistische Handwerk. Du musst aus schnöden Datensätzen Geschichten heraus finden und die dann auch professionell für deine Zielgruppe aufbereiten und formulieren.

Wo du bisher vielleicht ein gutes Informantennetz hattest oder einfach nur die richtigen Fachzeitschriften last, bietet dir Datenjournalismus eine weitere, neue Recherchebasis. Es ist eine anndere Art, Themen zu setzen. Und in neuer Form zu reagieren. ein Musterbeispiel dafür ist  Wahlberichterstattung: Die funktioniert heute bis runter auf die Gemeindeebene praktisch live und in Echtzeit. Und dann kommt die Zweitverwertung: Wenn die Wahl vorbei ist, kannst du dir aus der Masse der Daten die spannendsten Sachen rauspicken und ganz klassisch darüber berichten.

Wie funktioniert es? Das Ganze basiert meist darauf, Daten zu bekommen, einzulesen, zu analysieren und auszuwerten und am Ende aufzubereiten. Das funktioniert oft bereits mit Excel, in der Regel kommen datenjournalistisch Tätige aber um Programmierung nicht herum. Meistens wird heute Python genutzt, doch das kann sich morgen schon wieder geändert haben. Wichtig wird es aber bleiben, die erhaltenen Daten zu bewerten. Wer hat sie erhoben? Wie wurden sie erhoben? Wie hoch mag die Fehlerrate sein?

Wie kommt man an die Daten? Oft genug stehen sie öffentlich einsehbar auf einer z.B. behördlichen Website. Oder sind als Geschäftsberichte eines Unternehmens der vergangenen 10, 15, 20 Jahre im Archiv deiner Lokalzeitung. Oder du bekommst sie von einem Informanten durchgestochen. 

Du kannst aber auch offiziell bei Institutionen anfragen. Schließlich haben journalistisch Tätige einen Auskunftsanspruch gegenüber Behörden, der sich aus § 5 Grundgesetz herleitet und in den Länderpressegesetzen konkretisiert wird. Auch hat jeder Bürger (und damit jeder Journalist) einen Auskunftsanspruch nach den Informationsfreiheitsgesetzen des Bundes und der Länder.    

Sinnvoller ist es meistens, den Anspruch auf die Pressegesetze zu stützen. Zum einen, weil sonst manchmal ganz erhebliche Gebühren fällig werden können. Zum anderen, weil das Medienprivileg hinterher weitgehend die Einschränkungen durch die Datenschutzgrundverordnung aushebelt.

Musst du dazu IT-Fachkraft sein? Na ja, das meiste kannst du dir antrainieren. Aber ohne ein gewisses technisches Grundverständnis macht es vermutlich wenig Sinn. Du solltest keine Angst haben vor Zahlen und Zeilen. Und Freude daran haben, aus langweiligen Zeichenfolgen spannende Geschichten zu machen. Diese Fertigkeiten werden dir helfen:

1) Fitness in Excel, im Gruppieren von Daten und z.B. mit Pivot-Tabellen

2) Erfahrung im Bau und beim Abfragen von Datenbanken 

3) Keine Angst vor Skriptsprachen und Programmiersprachen wie Python. Wobei sich das gerade dank KI deutlich vereinfacht.

4) Grundlagen der Statistik

Für die Veröffentlichung solltest du ein neues Gefühl dafür entwickeln, wie du das Ergebnis deine Recherche darstellst. Denn das kann, muss aber nicht mehr eine klassische Reportage sein.  Programme wie Datawrapper unterstützen dich, Zahlen in interaktive Grafiken auszuspielen. Oft hilft eine digitale Landkarte. Oder ein Dashboard. Du hast es wahrscheinlich während der Covid-Pandemie kennengelernt, als die zuvor in Deutschland wenig bekannte John Hopkins Universität durch ihr Corona-Dashboard weltweite Aufmerksamkeit erlangte. 

Ist das noch Journalismus? Aber natürlich! Schon die Hypothesen erfordern eine journalistische Herangehensweise: Was interessiert? In was für eine Geschichte könnte die Recherche münden? Dann ist das Ergebnis mit journalistischem Know-how zu hinterfragen. Und am Ende geht es um die Darstellung. Und das heißt oft wieder ganz klassisch, individuelle Menschen anzusprechen und ihre Geschichten zu recherchieren, die das Ergebnis der Recherche plastisch machen.

Eine wichtige journalistische Fähigkeit ist zudem der Faktencheck: Nur mit den passenden Daten kannst du oft erkennen und aufzeigen, welche im öffentlichen Diskurs geäußerten Behauptungen sich belegen lassen und welche eben nicht. Der große Vorteil: Du kannst emotional aufgeladene Diskussionen auf faktenbasierte Beine stellen, ganz egal, ob es sich nun um Antisemititsmus oder Wärmepumpen handelt. Wo die klassische Reporterin ihre Geschichte auf Einzelfälle aufbaut, nutzt der Datenjournalismus systematische Analysen.

Wer kann Datenjournalismus brauchen?   

Datenjournalismus erfordert oft einen langen Atem. Manchmal sogar einen sehr langen Atem.

Aber er funktioniert praktisch bei den allermeisten journalistischen Themenfeldern - auch solchen, wo du das vielleicht nicht gleich erwartest. Im Sport (zB. auf Basis von Spielergebnis-Tabellen oder Spielerlisten). In der Lokalpolitik (wenn du z.B. Arbeitslosenzahlen aus deinem Landkreis analysierst). Wenn du suchst, findest du Anknüpfungspunkte auch in der Reise. Und im Feuilleton. 

So kannst du in deinem Herzensthema bleiben, findest plötzlich Themenansätze, wo du wenig oder keinen Wettbewerb hast. Und du kannst potenziellen Abnehmern etwas anbieten, was sie in der Regel selbst nicht beherrschen. 

Und wenn du mal drin bist im Datenjournalismus, bist du plötzlich gefragt auch in anderen Ressorts und Themenbereichen, kannst du breiter aufstellen und beruflich absichern. Denn du hast jetzt ein Alleinstellungsmerkmal.

Wie kann ich starten?

Du kannst natürlich einfach so beginnen und dich mit Youtube-Online-Kursen voranbringen. Du kannst aber auch eines der zahlreichen Weiterbildungsangebote auf dem Markt nutzen. Da findest du dann oft neben dem theoretischen Zugang und dem praktischen Blick auf gute Geschichten auch andere Freie, mit denen du dich austauschen oder gleich ein gemeinsames Projekt starten kannst. Denn Datenjournalismus bedeutet praktisch immer Teamarbeit. 

Hier Aus- und Weiterblildungsanbieter mit datenjournalistischen Kursen, die zum Recherchezeitpunkt (April 2026) angeboten wurden:

Akademie der bayerischen Presse

Berliner Journalistenschule

Journalist:innen-Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung

Reporterfabrik

Viele Angebote sind für Freie über Bildungszeit, KfW oder Freiberufler-Förderprogramme förderfähig.


Bearbeitung: Hans Werner Rodrian
Datum und Uhrzeit: 2026-04-09 14:47:21
Inhalt der Änderung

Du hast vor Technik keine Angst, kommst mit Zahlen und Daten gut klar und bist hartnäckig bei der Recherche wie der Themensuche: Dann könnte Datenjournalismus für dich ein Thema sein. Datenjournalismus ist keine neue Form von Journalismus, sondern eine andere Form zu recherchieren und Quellen zu finden. Dieses Wissen hilft dir, neu durchzustarten in deinem guten alten Tätigkeitsfeld oder auch in neuen Themenbereichen: Versuch's doch mal mit Daten!

Die Schneehöhen in den deutschen Mittelgebirgen, eine Liste aller Straßen in Aschaffenburg, die Statistik der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland, ein fränkischer Grundwasseratlas. Langweilig? Nicht wenn du datenjournalistisch heran gehst. Der Main-Echo-Redakteur Kevin Zahn machte aus der Straßenliste z.B. eine Geschichte, dass nicht mal so viele Straßen in Aschaffenburg nach allen Frauen zusammen benannt sind als allein nach Männern mit dem Vornamen Karl. 

Klimadaten, Wirtschaftszahlen, Wahlergebnisse: Nie waren so viele Daten wie heute verfügbar. Und daraus lässt sich etwas machen. Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus – na ja, sie sind zumindest mal was anderes, als immer nur auf eine Pressekonferenz zu gehen. Und deshalb bist du normalerweise erst mal alleiniger Anbieter von Themen, die aus Datenanalysen entstehen. Es ist ein spannender Werkzeugkasten, der sich da öffnet, seit Behörden im Zug der Open Government- und Open Data-Bewegung ihre Daten-Schatzkästen öffnen und seit Open-Source-Programme und KI-Unterstützung einst superteure Analysen inzwischen auf dem Laptop ermöglichen. 

Doch ob du in einem zehnköpfigen investigativen Ressort wie beim Bayerischen Rundfunk oder beim Spiegel unterkommen und dort die nächsten Panama Papers aufdeckst oder ob du in deinem lokalen Bereich einen journalistischen Dreh aus dem Str4aß0ennamenverzeichnis findest: Am Ende geht es doch immer um den journalistischen Riecher und das journalistische Handwerk. Du musst aus schnöden Datensätzen Geschichten heraus finden und die dann auch professionell für deine Zielgruppe aufbereiten und formulieren.

Wo du bisher vielleicht ein gutes Informantennetz hattest oder einfach nur die richtigen Fachzeitschriften last, bietet dir Datenjournalismus eine weitere, neue Recherchebasis. Es ist eine anndere Art, Themen zu setzen. Und in neuer Form zu reagieren. ein Musterbeispiel dafür ist  Wahlberichterstattung: Die funktioniert heute bis runter auf die Gemeindeebene praktisch live und in Echtzeit. Und dann kommt die Zweitverwertung: Wenn die Wahl vorbei ist, kannst du dir aus der Masse der Daten die spannendsten Sachen rauspicken und ganz klassisch darüber berichten.

Wie funktioniert es? Das Ganze basiert meist darauf, Daten zu bekommen, einzulesen, zu analysieren und auszuwerten und am Ende aufzubereiten. Das funktioniert oft bereits mit Excel, in der Regel kommen datenjournalistisch Tätige aber um Programmierung nicht herum. Meistens wird heute Python genutzt, doch das kann sich morgen schon wieder geändert haben. Wichtig wird es aber bleiben, die erhaltenen Daten zu bewerten. Wer hat sie erhoben? Wie wurden sie erhoben? Wie hoch mag die Fehlerrate sein?

Wie kommt man an die Daten? Oft genug stehen sie öffentlich einsehbar auf einer z.B. behördlichen Website. Oder sind als Geschäftsberichte eines Unternehmens der vergangenen 10, 15, 20 Jahre im Archiv deiner Lokalzeitung. Oder du bekommst sie von einem Informanten durchgestochen. 

Du kannst aber auch offiziell bei Institutionen anfragen. Schließlich haben journalistisch Tätige einen Auskunftsanspruch gegenüber Behörden, der sich aus § 5 Grundgesetz herleitet und in den Länderpressegesetzen konkretisiert wird. Auch hat jeder Bürger (und damit jeder Journalist) einen Auskunftsanspruch nach den Informationsfreiheitsgesetzen des Bundes und der Länder.    

Sinnvoller ist es meistens, den Anspruch auf die Pressegesetze zu stützen. Zum einen, weil sonst manchmal ganz erhebliche Gebühren fällig werden können. Zum anderen, weil das Medienprivileg hinterher weitgehend die Einschränkungen durch die Datenschutzgrundverordnung aushebelt.

Musst du dazu IT-Fachkraft sein? Na ja, das meiste kannst du dir antrainieren. Aber ohne ein gewisses technisches Grundverständnis macht es vermutlich wenig Sinn. Du solltest keine Angst haben vor Zahlen und Zeilen. Und Freude daran haben, aus langweiligen Zeichenfolgen spannende Geschichten zu machen. Diese Fertigkeiten werden dir helfen:

1) Fitness in Excel, im Gruppieren von Daten und z.B. mit Pivot-Tabellen

2) Erfahrung im Bau und beim Abfragen von Datenbanken 

3) Keine Angst vor Skriptsprachen und Programmiersprachen wie Python. Wobei sich das gerade dank KI deutlich vereinfacht.

4) Grundlagen der Statistik

Für die Veröffentlichung solltest du ein neues Gefühl dafür entwickeln, wie du das Ergebnis deine Recherche darstellst. Denn das kann, muss aber nicht mehr eine klassische Reportage sein.  Programme wie Datawrapper unterstützen dich, Zahlen in interaktive Grafiken auszuspielen. Oft hilft eine digitale Landkarte. Oder ein Dashboard. Du hast es wahrscheinlich während der Covid-Pandemie kennengelernt, als die zuvor in Deutschland wenig bekannte John Hopkins Universität durch ihr Corona-Dashboard weltweite Aufmerksamkeit erlangte. 

Ist das noch Journalismus? Aber natürlich! Schon die Hypothesen erfordern eine journalistische Herangehensweise: Was interessiert? In was für eine Geschichte könnte die Recherche münden? Dann ist das Ergebnis mit journalistischem Know-how zu hinterfragen. Und am Ende geht es um die Darstellung. Und das heißt oft wieder ganz klassisch, individuelle Menschen anzusprechen und ihre Geschichten zu recherchieren, die das Ergebnis der Recherche plastisch machen.

Eine wichtige journalistische Fähigkeit ist zudem der Faktencheck: Nur mit den passenden Daten kannst du oft erkennen und aufzeigen, welche im öffentlichen Diskurs geäußerten Behauptungen sich belegen lassen und welche eben nicht. Der große Vorteil: Du kannst emotional aufgeladene Diskussionen auf faktenbasierte Beine stellen, ganz egal, ob es sich nun um Antisemititsmus oder Wärmepumpen handelt. Wo die klassische Reporterin ihre Geschichte auf Einzelfälle aufbaut, nutzt der Datenjournalismus systematische Analysen.

Wer kann Datenjournalismus brauchen?   

Datenjournalismus erfordert oft einen langen Atem. Manchmal sogar einen sehr langen Atem.

Aber er funktioniert praktisch bei den allermeisten journalistischen Themenfeldern - auch solchen, wo du das vielleicht nicht gleich erwartest. Im Sport (zB. auf Basis von Spielergebnis-Tabellen oder Spielerlisten). In der Lokalpolitik (wenn du z.B. Arbeitslosenzahlen aus deinem Landkreis analysierst). Wenn du suchst, findest du Anknüpfungspunkte auch in der Reise. Und im Feuilleton. 

So kannst du in deinem Herzensthema bleiben, findest plötzlich Themenansätze, wo du wenig oder keinen Wettbewerb hast. Und du kannst potenziellen Abnehmern etwas anbieten, was sie in der Regel selbst nicht beherrschen. 

Und wenn du mal drin bist im Datenjournalismus, bist du plötzlich gefragt auch in anderen Ressorts und Themenbereichen, kannst du breiter aufstellen und beruflich absichern. Denn du hast jetzt ein Alleinstellungsmerkmal.

Wie kann ich starten?

Du kannst natürlich einfach so beginnen und dich mit Youtube-Online-Kursen voranbringen. Du kannst aber auch eines der zahlreichen Weiterbildungsangebote auf dem Markt nutzen. Da findest du dann oft neben dem theoretischen Zugang und dem praktischen Blick auf gute Geschichten auch andere Freie, mit denen du dich austauschen oder gleich ein gemeinsames Projekt starten kannst. Denn Datenjournalismus bedeutet praktisch immer Teamarbeit. 

Hier Aus- und Weiterblildungsanbieter mit datenjournalistischen Kursen, die zum Recherchezeitpunkt (April 2026) angeboten wurden:

Akademie der bayerischen Presse

Berliner Journalistenschule

Journalist:innen-Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung

Reporterfabrik

Viele Angebote sind für Freie über Bildungszeit, KfW oder Freiberufler-Förderprogramme förderfähig.


Bearbeitung: Hans Werner Rodrian
Datum und Uhrzeit: 2026-04-09 14:39:26
Inhalt der Änderung

Du hast vor Technik keine Angst, kommst mit Zahlen und Daten gut klar und bist hartnäckig bei der Recherche wie der Themensuche: Dann könnte Datenjournalismus für dich ein Thema sein. Datenjournalismus ist keine neue Form von Journalismus, sondern eine andere Form zu recherchieren und Quellen zu finden. Dieses Wissen hilft dir, neu durchzustarten in deinem guten alten Tätigkeitsfeld oder auch in neuen Themenbereichen: Versuch's doch mal mit Daten!

Die Schneehöhen in den deutschen Mittelgebirgen, eine Liste aller Straßen in Aschaffenburg, die Statistik der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland, ein fränkischer Grundwasseratlas. Langweilig? Nicht wenn du datenjournalistisch heran gehst. Der Main-Echo-Redakteur Kevin Zahn machte aus der Straßenliste z.B. eine Geschichte, dass nicht mal so viele Straßen in Aschaffenburg nach allen Frauen zusammen benannt sind als allein nach Männern mit dem Vornamen Karl. 

Klimadaten, Wirtschaftszahlen, Wahlergebnisse: Nie waren so viele Daten wie heute verfügbar. Und daraus lässt sich etwas machen. Daten sind der neue Rohstoff im Journalismus – na ja, sie sind zumindest mal was anderes, als immer nur auf eine Pressekonferenz zu gehen. Und deshalb bist du normalerweise erst mal alleiniger Anbieter von Themen, die aus Datenanalysen entstehen. Es ist ein spannender Werkzeugkasten, der sich da öffnet, seit Behörden im Zug der Open Government- und Open Data-Bewegung ihre Daten-Schatzkästen öffnen und seit Open-Source-Programme und KI-Unterstützung einst superteure Analysen inzwischen auf dem Laptop ermöglichen. 

Doch ob du in einem zehnköpfigen investigativen Ressort wie beim Bayerischen Rundfunk oder beim Spiegel unterkommen und dort die nächsten Panama Papers aufdeckst oder ob du in deinem lokalen Bereich einen journalistischen Dreh aus dem Str4aß0ennamenverzeichnis findest: Am Ende geht es doch immer um den journalistischen Riecher und das journalistische Handwerk. Du musst aus schnöden Datensätzen Geschichten heraus finden und die dann auch professionell für deine Zielgruppe aufbereiten und formulieren.

Wo du bisher vielleicht ein gutes Informantennetz hattest oder einfach nur die richtigen Fachzeitschriften last, bietet dir Datenjournalismus eine weitere, neue Recherchebasis. Es ist eine anndere Art, Themen zu setzen. Und in neuer Form zu reagieren. ein Musterbeispiel dafür ist  Wahlberichterstattung: Die funktioniert heute bis runter auf die Gemeindeebene praktisch live und in Echtzeit. Und dann kommt die Zweitverwertung: Wenn die Wahl vorbei ist, kannst du dir aus der Masse der Daten die spannendsten Sachen rauspicken und ganz klassisch darüber berichten.

Wie funktioniert es? Das Ganze basiert meist darauf, Daten zu bekommen, einzulesen, zu analysieren und auszuwerten und am Ende aufzubereiten. Das funktioniert oft bereits mit Excel, in der Regel kommen datenjournalistisch Tätige aber um Programmierung nicht herum. Meistens wird heute Python genutzt, doch das kann sich morgen schon wieder geändert haben. Wichtig wird es aber bleiben, die erhaltenen Daten zu bewerten. Wer hat sie erhoben? Wie wurden sie erhoben? Wie hoch mag die Fehlerrate sein?

Wie kommt man an die Daten? Oft genug stehen sie öffentlich einsehbar auf einer z.B. behördlichen Website. Oder sind als Geschäftsberichte eines Unternehmens der vergangenen 10, 15, 20 Jahre im Archiv deiner Lokalzeitung. Oder du bekommst sie von einem Informanten durchgestochen. 

Du kannst aber auch offiziell bei Institutionen anfragen. Schließlich haben journalistisch Tätige einen Auskunftsanspruch gegenüber Behörden, der sich aus § 5 Grundgesetz herleitet und in den Länderpressegesetzen konkretisiert wird. Auch hat jeder Bürger (und damit jeder Journalist) einen Auskunftsanspruch nach den Informationsfreiheitsgesetzen des Bundes und der Länder.    

Sinnvoller ist es meistens, den Anspruch auf die Pressegesetze zu stützen. Zum einen, weil sonst manchmal ganz erhebliche Gebühren fällig werden können. Zum anderen, weil das Medienprivileg hinterher weitgehend die Einschränkungen durch die Datenschutzgrundverordnung aushebelt.

Musst du dazu IT-Fachkraft sein? Na ja, das meiste kannst du dir antrainieren. Aber ohne ein gewisses technisches Grundverständnis macht es vermutlich wenig Sinn. Du solltest keine Angst haben vor Zahlen und Zeilen. Und Freude daran haben, aus langweiligen Zeichenfolgen spannende Geschichten zu machen. Diese Fertigkeiten werden dir helfen:

1) Fitness in Excel, im Gruppieren von Daten und z.B. mit Pivot-Tabellen

2) Erfahrung im Bau und beim Abfragen von Datenbanken 

3) Keine Angst vor Skriptsprachen und Programmiersprachen wie Python. Wobei sich das gerade dank KI deutlich vereinfacht.

4) Grundlagen der Statistik

Für die Veröffentlichung solltest du ein neues Gefühl dafür entwickeln, wie du das Ergebnis deine Recherche darstellst. Denn das kann, muss aber nicht mehr eine klassische Reportage sein.  Programme wie Datawrapper unterstützen dich, Zahlen in interaktive Grafiken auszuspielen. Oft hilft eine digitale Landkarte. Oder ein Dashboard. Du hast es wahrscheinlich während der Covid-Pandemie kennengelernt, als die zuvor in Deutschland wenig bekannte John Hopkins Universität durch ihr Corona-Dashboard weltweite Aufmerksamkeit erlangte. 

Ist das noch Journalismus? Aber natürlich! Schon die Hypothesen erfordern eine journalistische Herangehensweise: Was interessiert? In was für eine Geschichte könnte die Recherche münden? Dann ist das Ergebnis mit journalistischem Know-how zu hinterfragen. Und am Ende geht es um die Darstellung. Und das heißt oft wieder ganz klassisch, individuelle Menschen anzusprechen und ihre Geschichten zu recherchieren, die das Ergebnis der Recherche plastisch machen.

Eine wichtige journalistische Fähigkeit ist zudem der Faktencheck: Nur mit den passenden Daten kannst du oft erkennen und aufzeigen, welche im öffentlichen Diskurs geäußerten Behauptungen sich belegen lassen und welche eben nicht. Der große Vorteil: Du kannst emotional aufgeladene Diskussionen auf faktenbasierte Beine stellen, ganz egal, ob es sich nun um Antisemititsmus oder Wärmepumpen handelt. Wo die klassische Reporterin ihre Geschichte auf Einzelfälle aufbaut, nutzt der Datenjournalismus systematische Analysen.

Wer kann Datenjournalismus brauchen?   

Datenjournalismus erfordert oft einen langen Atem. Manchmal sogar einen sehr langen Atem.

Aber er funktioniert praktisch bei den allermeisten journalistischen Themenfeldern - auch solchen, wo du das vielleicht nicht gleich erwartest. Im Sport (zB. auf Basis von Spielergebnis-Tabellen oder Spielerlisten). In der Lokalpolitik (wenn du z.B. Arbeitslosenzahlen aus deinem Landkreis analysierst). Wenn du suchst, findest du Anknüpfungspunkte auch in der Reise. Und im Feuilleton. 

So kannst du in deinem Herzensthema bleiben, findest plötzlich Themenansätze, wo du wenig oder keinen Wettbewerb hast. Und du kannst potenziellen Abnehmern etwas anbieten, was sie in der Regel selbst nicht beherrschen. 

Und wenn du mal drin bist im Datenjournalismus, bist du plötzlich gefragt auch in anderen Ressorts und Themenbereichen, kannst du breiter aufstellen und beruflich absichern. Denn du hast jetzt ein Alleinstellungsmerkmal.

Wie kann ich starten?

Du kannst natürlich einfach so beginnen und dich mit Youtube-Online-Kursen voranbringen. Du kannst aber auch eines der zahlreichen Weiterbildungsangebote auf dem Markt nutzen. Da findest du dann oft neben dem theoretischen Zugang und dem praktischen Blick auf gute Geschichten auch andere Freie, mit denen du dich austauschen oder gleich ein gemeinsames Projekt starten kannst. Denn Datenjournalismus bedeutet praktisch immer Teamarbeit. 

Hier Aus- und Weiterblildungsanbieter mit datenjournalistischen Kursen, die zum Recherchezeitpunkt (April 2026) angeboten wurden:

Akademie der bayerischen Presse

Berliner Journalistenschule

Journalist:innen-Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung

Reporterfabrik

Viele Angebote sind für Freie über Bildungszeit, KfW oder Freiberufler-Förderprogramme förderfähig.


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